Nach der gefährlichen Fahrt außen auf einem ICE-Zug sind alle drei Verdächtigen ausgeforscht. Bei ihnen handelt es sich um einen 17-Jährigen, einen 19-Jährigen und einen 20-Jährigen.
Der 19-Jährige lebt in Wien. Er bekam am Dienstag Besuch von Kärntner Polizisten und wurde zu der Aktion einvernommen. Auch die beiden anderen Verdächtigen sind der Staatsanwaltschaft Klagenfurt namentlich bekannt. Sie wurden bisher noch nicht befragt.
Gegen das Trio wird vorerst wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit ermittelt. Darauf stehen maximal drei Monate Haft. Für den 17-jährigen Verdächtigen beträgt die mögliche Höchststrafe eineinhalb Monate.
Ausgangspunkt für die Ermittlungen war ein anonymer, aber sehr konkreter Hinweis bei der Polizei. Gemeinsam mit Aufnahmen aus der Videoüberwachung der ÖBB und den von den Train-Surfern selbst veröffentlichten Videos konnten die Ermittler den 19-Jährigen ausforschen.
Die drei Jugendlichen bzw. jungen Männer waren am Samstag beim Bahnhof Kühnsdorf-Klopeiner See auf den anfahrenden ICE 117 gesprungen. Sie versteckten sich während der Fahrt in Nischen an der Außenseite des Zuges. Auf diesem Abschnitt der Koralmbahn sind Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h möglich.
Als Train-Surfer werden Personen bezeichnet, die unerlaubt an der Außenseite eines fahrenden Zuges oder einer U-Bahn mitfahren. Sie klettern auf Dächer, stellen sich zwischen Waggons oder verstecken sich in Nischen an der Außenseite.
Das Eisenbahngesetz verbietet jedes Verhalten, das den Bahnbetrieb oder die Sicherheit beeinträchtigen könnte. Auch das unerlaubte Betreten von Bahnanlagen wird konsequent angezeigt.
Fahrgäste beobachteten die Aktion und alarmierten die Polizei sowie die ÖBB. Etwa auf halber Strecke durch den 32,9 Kilometer langen Koralmtunnel musste der ICE einen Notstopp einlegen. Der Tunnel und die Strecke zwischen Klagenfurt und Graz wurden in beide Richtungen gesperrt.
ÖBB-Mitarbeiter fassten den 17-Jährigen und den 20-Jährigen und brachten sie mit einem Rettungszug aus dem Tunnel. Noch bevor die beiden in St. Paul der Polizei übergeben werden konnten, liefen sie davon.
Der dritte Verdächtige blieb zunächst verschwunden. Ein selbst aufgenommenes Video zeigt einen Mann, der sich auf dem Dach des gestoppten ICE versteckt. Offenbar setzte er seine Fahrt fort, als der Zug nach rund drei Stunden wieder losfuhr. Die letzten Sekunden des Videos deuten darauf hin, dass er bis nach Graz mitfuhr.
Ob es sich bei diesem Mann um den 19-jährigen Wiener handelt, ist noch nicht endgültig geklärt. Nach dem bisherigen Stand deutet jedoch vieles darauf hin.
Neben den strafrechtlichen Folgen könnte die Aktion für das Trio teuer werden. Die ÖBB prüfen Schadenersatzforderungen für Zugausfälle, Entschädigungen und die mehr als dreistündige Streckensperre.