Als Suzan vor vier Jahren ins Mutter-Kind-Haus Luise der Caritas Wien kam, stand sie vor dem Nichts. "Ich hatte keine Kleidung, kein Essen als ich ankam", erzählt sie. Die fünffache Mutter war allein – ihre Familie lebt in Syrien. Nach der Scheidung von ihrem gewalttätigen Mann musste sie sogar vor Gericht um Unterhalt kämpfen.
Drei Jahre verbrachte sie mit drei Kindern (17, 15 und 2 Jahre alt) im Mutter-Kind-Haus – zuerst in einer Einzimmerwohnung, später mit mehr Platz. Heute lebt die Familie in einer kleinen Genossenschaftswohnung. Das wäre ohne Hilfe kaum möglich gewesen. "Die Caritas hat mir geholfen, eine eigene Wohnung zu finden", erzählt Suzan.
Doch der Alltag bleibt hart. Mehr als 700 Euro gehen monatlich fürs Wohnen drauf, dazu kommen Schulkosten und Öffi-Tickets. Für Extras reicht das Geld kaum; selbst Schulausflüge sind für die Alleinerzieherin finanziell schwer zu stemmen. "Meine Tochter ist jetzt im Teenager-Alter und wünscht sich Make-up oder schöne Kleidung. Ich würde es ihr so gerne ermöglichen, aber es geht nicht immer." Für sich selbst verzichtet sie schon lange: "Ich hole mein Gewand seit Jahren von Spendenstellen, um meinen Kindern ein paar ihrer Wünsche ermöglichen zu können", sagt die 44-Jährige.
Arbeit zu finden ist schwierig. "Ich kann nicht gut Deutsch und mit dem Kopftuch ist es oft auch ein Problem", sagt sie offen. Trotzdem gibt sie nicht auf, besucht täglich einen Deutschkurs und sucht nach Jobs. Ihr großer Wunsch ist, selbst anderen Frauen zu helfen. "Ich würde gerne Peer-Beraterin werden", sagt sie. Schon jetzt unterstützt sie Betroffene von Gewalt über Facebook-Gruppen – aus eigener Erfahrung. "Mein Mann hat mich geschlagen. Das war eine schlimme Zeit", erinnert sie sich.
Beim "Muki-Mobil" im Mutter-Kind-Haus Immanuel findet Suzan weiterhin Beratung, Unterstützung und Austausch. Ein Ort, der für viele Frauen zur wichtigen Anlaufstelle wird, wenn der Alltag wieder ins Wanken gerät. "Sie haben mir mit den Deutschkursen und der Lernhilfe für meine Kinder geholfen", berichtet Suzan.
"In unseren Mutter-Kind-Häusern erleben wir täglich, wie stark die Belastung für Mütter und Kinder gestiegen ist. Auch viele ehemalige Bewohnerinnen bitten um Hilfe, weil Wohnen, Kinderbetreuung und Lebenserhaltungskosten für sie nicht mehr leistbar sind", erzählt Lydia Rössler, Leiterin des Hauses Immanuel. 2025 wurden in den drei Mutter-Kind-Häusern der Caritas in Wien 66 Mütter und 107 Kinder aufgenommen.