Die Mieterinnen und Mieter im Gemeindebau Grabnergasse (Wien-Mariahilf) wollen nur eines: ihren begrünten Innenhof hegen und pflegen. Schon vergangenen Sommer wollten die Bewohner die Bäume und Pflanzen vor dem Austrocknen bewahren – "Heute" berichtete. Doch dies wurde ihnen verwehrt.
Ein Lokalaugenschein zeigt nun: An der Situation hat sich kurioserweise auch ein Jahr später nichts geändert. Die Mieterinnen und Mieter sind verärgert.
Den ganzen Sommer brannte die Sonne herunter. "Es verdorrt alles", klagen die Bewohner. Der Hausbetreuer kann nur mittags gießen. In den Abendstunden wollten die Anwohner aushelfen. Ungefähr 50 von rund 80 Mietern möchten im Gemeindebau mitgarteln, zeigt eine Unterschriftenliste.
Doch Wiener Wohnen erteilte dem Ansuchen bereits im vergangenen heißen Sommer eine Absage. Die Gartenpflege sei organisatorisch und rechtlich an die Hausbetreuung vergeben, hieß es damals. Außerdem sei es in ähnlichen Fällen mit selbstständiger Mitpflege der Gärten oft zu Beschwerden gekommen – etwa durch erhöhten Wasserverbrauch, Verunreinigung oder Unklarheiten bei der Nutzung der Flächen.
Unterstützung kam und kommt von der FPÖ. Wohn-Ombudsmann Michael Niegl berichtet nun, er habe mit der vormaligen Stadträtin Kathrin Gaál und auch mit der neuen Wohnstadträtin, Elke Hanel-Torsch in einem Gespräch vereinbart, dass eine Lösung für die Mieter gefunden wird und es seitens der Stadt erwünscht sei, dass sie die Grünlage mitbetreuen dürfen.
Doch all das wurde bisher nicht umgesetzt, kritisiert die FPÖ. Im Gegenteil: "Es wurde uns untersagt zu gießen. Die vorhandenen Schläuche wurden entfernt und am Wasseranschluss wurde der Regler entfernt, damit kein Wasser entnommen werden kann. Überdies wurden wir aufgefordert, vorhandene Gartendeko-Elemente zu entfernen", berichten die betroffenen Bewohner.
"Das Verhalten von Wiener Wohnen ist schlichtweg skandalös. Es widerspricht den eigenen Werten, vermindert die Wohnqualität, sowie das Gemeinschaftsgefüge im Gemeindebau und vermindert die Wohnqualität. Trotz positiver Absprache mit der verantwortlichen Stadträtin ignoriert Wiener Wohnen die Vorgaben aus dem Stadtrat-Büro, und verhindert mutwillig dass die Grünanlage von den Mietern mitbetreut wird. Diese Vorgehensweise ist untragbar", so Niegl.
Wiener Wohnen und das Büro der zuständigen Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) weisen die Vorwürfe der FPÖ allerdings zurück. Eine Lösung für das gemeinschaftliche Garteln in der Grabnergasse werde von Wiener Wohnen aktuell umgesetzt und befinde sich in laufender Abstimmung. In einem Austausch vor Ort Mitte September sollen die Rahmenbedingungen dafür besprochen werden.
"Ziel ist es unverändert, eine Lösung zu schaffen, die den Wunsch mancher Mieter*innen nach gemeinschaftlichem Gärtnern ermöglicht und zugleich die Interessen aller Bewohner*innen sowie die notwendigen rechtlichen, organisatorischen und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen berücksichtigt", heißt es gegenüber "Heute". Bestehende Gegenstände und Dekoration müssen die Mieter ebenfalls nicht entfernen.