IHS-Chef Bonin prescht vor

AMS soll Job-Angebote auch an Beschäftigte schicken

IHS-Chef Holger Bonin will, dass das AMS auch Beschäftigten Jobangebote schickt. Das Ziel: mehr Produktivität.
Newsdesk Heute
10.09.2026, 19:27
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Das AMS soll sich künftig nicht mehr nur um Arbeitslose kümmern. Das schlägt IHS-Chef Holger Bonin vor. Der Arbeitsökonom will, dass das Arbeitsmarktservice auch Menschen in bestehenden Jobs aktiv bessere Stellen aufzeigt.

Konkret denkt Bonin an einen jährlichen Newsletter. Beschäftigte sollen dabei passende Joboptionen erhalten. Das sagte der Leiter des Instituts für Höhere Studien in der aktuellen Folge des Podcasts "Geht so. Passt schon. Oder?".

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Der Hintergrund ist der demografische Wandel. Wenn geburtenstarke Jahrgänge in Pension gehen, schrumpft die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte. Für Bonin bedeutet das: Die vorhandenen Fähigkeiten müssen dort eingesetzt werden, wo sie am meisten bringen.

"Lange Zeit war die Aufgabe: Wir müssen Arbeitslose wieder zurück in Beschäftigung bringen. Jetzt ist die Aufgabe: Wir müssen Beschäftigte in den besten Job bringen, den sie kriegen können", sagt Bonin.

Viele Menschen würden ihre eigenen Chancen am Arbeitsmarkt unterschätzen. Deshalb sieht Bonin auch den Staat in der Pflicht, bessere Informationen über Jobmöglichkeiten bereitzustellen. "Die Menschen sind viel zu früh zufrieden mit dem, was sie haben, weil sie nicht wirklich wissen, was sie haben könnten", so der Ökonom.

Dass Unternehmen dadurch stärker um Arbeitskräfte konkurrieren müssten, sieht Bonin ausdrücklich positiv. "Als Volkswirt muss ich sagen: Genau das wollen wir. Wir wollen nicht, dass Jobs, die eben nicht so gut sind, erhalten werden. Wir wollen, dass die Menschen in die besseren Jobs kommen", erklärt der IHS-Direktor.

Damit Beschäftigte leichter wechseln können, fordert Bonin eine stärkere Absicherung beruflicher Veränderungen. Als Beispiel nennt er eine bessere steuerliche Berücksichtigung von Umzugskosten.

Auch das Bild klassischer Erwerbsbiografien müsse sich ändern. Die Vorstellung, einen erlernten Beruf bis zur Pension auszuüben, passe nicht mehr in die Zeit. "Dann lohnt es sich mit 45, mit 50 nochmal was Grundlegendes Neues zu lernen", betont Bonin.

Bei Künstlicher Intelligenz erwartet Bonin keinen abrupten Einbruch der Beschäftigung. KI könne Routineaufgaben übernehmen und besonders ältere oder weniger leistungsfähige Beschäftigte dabei unterstützen, produktiver zu arbeiten.

Unterstützung kommt von der Gewerkschaft GPA. Vorsitzende Barbara Teiber verweist laut APA auf steigende Arbeitslosigkeit, Umbrüche durch KI und zugleich großen Bedarf an Fachkräften in bestimmten Bereichen. "Berufstätigen neue Perspektiven für ihre Karriereentwicklung aufzuzeigen ist ein vernünftiger Schritt. Das AMS ist gut geeignet, sich in diese Richtung zu entwickeln", sagt Teiber.

Ein jährlicher AMS-Newsletter oder zusätzliche Beratungsmöglichkeiten könnten aus GPA-Sicht auch den Verhandlungsspielraum von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im eigenen Unternehmen erhöhen.

red,10.09.2026, 19:27