Schwimmende Schwarzkittel

"Angriff" übers Meer – Wildschwein-Invasion in Kroatien

Sie tauchen in Massen auf: Wildschweine dringen in istrische Küstenorte ein, schwimmen im Meer und verwüsten Gärten. Touristen sind verblüfft.
Bernd Watzka
17.10.2025, 12:21
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Was früher eine Seltenheit war, ist heute Alltag: Wildschweine schwimmen in der Adria - und das gleich an mehreren Küstenregionen. Vor allem Kroatien kämpft derzeit mit einer Wildschwein-Plage, die immer größere Ausmaße annimmt.

Die Tiere schwimmen inzwischen in ganzen Rudeln durchs Meer, dringen in Gärten und Stadtzentren ein - und sorgen bei Urlaubern wie Einheimischen für Angst und Kopfschütteln zugleich.

"Als wäre die Wildsau hier zuhause"

In Stara Mokošica, einem Vorort von Dubrovnik, traute ein Anwohner seinen Augen nicht, als eine Wildsau vor ihm stand: "Ich war schockiert, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass sie keine Angst vor Menschen haben", berichtete er Morski.hr. Seine Rufe blieben wirkungslos: "Ich rief, aber die Wildsau verhielt sich, als wäre sie zu Hause", heißt es weiter.

Wildschwein-Rotte vor Urlaubsparadies

Auch vor dem weltberühmten Urlaubsort Mali Lošinj schwamm jüngst eine ganze Rotte Wildschweine zielstrebig Richtung Festland. Für die zotteligen Tiere kein Problem: Sie schaffen bis zu zwölf Stunden im Wasser und legen dabei über 25 Kilometer zurück.

"Schön, dass sie sich angepasst haben"

Auch in Rabac (Istrien) filmten Urlauber die ungewöhnlichen Schwimmer. Ein Video zeigte ein Wildschwein, das gemütlich durch die Wellen zieht. Die Reaktionen im Netz waren zwischen Faszination und Furcht. "Wie schön, dass sie sich an uns angepasst haben - nie gab es mehr Wildschweine in Istrien", kommentierte ein User auf Facebook sarkastisch.

Tiere im Stadtzentrum gefährlich

Die Lage ist längst nicht mehr nur kurios, sondern auch gefährlich: In Pula wurden die Tiere bereits im Stadtzentrum gesichtet. Die Stadtverwaltung kündigte daher an, den Bestand zu reduzieren. Auf der Halbinsel Pelješac verwüsteten Wildschweine ganze Weinberge - eine Winzerin will nun klagen.

Problem bei den Abschuss-Vorhaben: Im Meer dürfen die Tiere nicht gejagt werden. Das Meer zählt rechtlich nicht zum Jagdgebiet - wer also schwimmende Wildschweine sieht, darf nicht eingreifen.

Wie die Erderwärmung das Wildschwein-Problem verschärft

Es gibt mehrere direkte und indirekte Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und der Zunahme von Wildschweinpopulationen, die auch das aktuelle Problem in Kroatien erklären können.

Hier die wichtigsten Punkte

  • 🌡️ 1. Mildere Winter = höhere Überlebensraten: Wildschweine sind anpassungsfähige Allesfresser, aber strenge Winter waren früher ein natürlicher Regulierungseffekt. Durch die Erwärmung des Klimas gibt es weniger Frosttage und kürzere Schneeperioden – das heißt:
    Mehr Tiere überleben den Winter.
  • 🌾 2. Längere Vegetationsperioden = mehr Nahrung: Der Klimawandel hat auch die Wachstumszeiten der Pflanzen verlängert. Eichen und Buchen produzieren durch wärmere Temperaturen häufiger und ergiebiger Baumfrüchte (Mastjahre). Die Tiere sind besser genährt, pflanzen sich häufiger fort und ziehen weiter in neue Gebiete.
  • 🌧️ 3. Mehr Starkregen = Überschwemmungen treiben Tiere in Siedlungen: Besonders an der Adria-Küste führt der Klimawandel zu heftigen, kurzen Regenfällen. Diese Überschwemmungen spülen Wildschweine aus Wäldern, Tälern oder Inseln und zwingen sie, neue Gebiete aufzusuchen – oft in der Nähe von Siedlungen, Straßen oder Stränden
  • 🦠 4. Rückgang von Raubtieren & Ökosystem-Ungleichgewicht: Mit der Erwärmung verschiebt sich auch das Verbreitungsgebiet von Raubtieren (etwa Wölfen oder Luchsen).
    In einigen Teilen Kroatiens sind sie seltener geworden, was dazu führt, dass Wildschwein-Bestände nicht mehr natürlich reguliert werden.

Sprunghafter Anstieg der Wildschweinpopulation

Laut kroatischen Wildtierforschern hat sich die Wildschweinpopulation in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht - ein Trend, der sich laut Studien der Universität Zagreb eindeutig mit wärmeren Temperaturen, Nahrungsüberfluss und fehlenden Winterverlusten deckt.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 06.11.2025, 16:16, 17.10.2025, 12:21
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