Südafrika gilt seit jeher als Schmelztiegel Afrikas: In Städten wie Johannesburg arbeiten Ärzte aus Simbabwe als Uber-Fahrer, Äthiopier betreiben Restaurants und Kongolesen verkaufen Stoffe. Doch aktuell sind Migranten im ganzen Land zunehmender Bedrohung ausgesetzt.
In mehreren Städten, darunter Durban und Kapstadt, ziehen seit Monaten antiimmigrantische Gruppen durch die Straßen. Demonstranten, teils bewaffnet mit Stöcken, skandieren "Mabahambe" – Zulu für "Sie müssen gehen". Dabei werden ausländische Geschäfte attackiert, Menschen aus ihren Unterkünften vertrieben und es kam bereits zu Todesfällen unter Migranten.
Einige Nachbarländer wie Nigeria, Ghana und Mosambik bereits begonnen, ihre Staatsbürger zurückzuholen. Erinnerungen an die tödlichen Ausschreitungen von 2008 und 2019 werden wach, als Dutzende Menschen durch fremdenfeindliche Gewalt ums Leben kamen.
Angeführt wird die aktuelle Bewegung von der Gruppe "March and March" unter der Leitung der ehemaligen Radiomoderatorin Jacinta Ngobese-Zuma. Diese forderte alle illegalen Migranten auf, Südafrika bis zum 30. Juni zu verlassen. Was danach droht, bleibt unklar.
Viele Migranten berichten von täglichen Übergriffen und Schikanen. Ein 25-jähriger Malawier, der in einer Werkstatt in Johannesburg arbeitet, sagt gegenüber npr: "Ich habe Angst, sie könnten mich töten." Auch andere erzählen von zerstörten Wohnungen und Angst vor der Zukunft, unabhängig davon, ob sie gültige Papiere haben.
Präsident Cyril Ramaphosa versucht, die Lage zu beruhigen. Er kündigte an, Grenzen besser zu schützen und die wirtschaftlichen Probleme anzugehen. Gleichzeitig warnte er davor, Migranten als Sündenböcke für hohe Arbeitslosigkeit und Kriminalität verantwortlich zu machen: „Die Wurzeln dieser Herausforderungen liegen vor allem in Ungleichheit, schwachem Wirtschaftswachstum und Problemen bei der Versorgung.“
Auch für schwangere Migrantinnen wie die 33-jährige Mapezi Bahati aus der Demokratischen Republik Kongo ist die Situation verzweifelt. Sie fürchtet um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder und berichtet von abweisenden Kliniken: "Ich fühle mich, als wäre ich wieder im Krieg." Die Unsicherheit, was nach dem Ultimatum der Protestbewegung passiert, lastet schwer auf den Betroffenen.