Russlands Banken verlieren Milliarden an Einlagen. Immer mehr Sparer und Unternehmen ziehen ihr Geld ab – aus Angst, der Kreml könnte auf private Vermögen zugreifen, um den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
Allein in den ersten beiden Augustwochen wurden nach Angaben der russischen Zentralbank umgerechnet fast drei Milliarden Euro abgehoben. Im Juli waren es mehr als sechs Milliarden Euro, im Juni fast vier Milliarden. Das Geld liegt nun offenbar lieber in bar oder außerhalb des Bankensystems.
Auslöser ist laut "Washington Post" die Furcht, der Kreml unter Präsident Wladimir Putin (73) könnte private Einlagen beschlagnahmen, um den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Die Nervosität wächst. "Drohnen fliegen. Dinge brennen nieder. Nervosität wächst", zitiert die Zeitung einen ehemaligen hochrangigen Finanzbeamten.
Viele Russen vertrauen ihrem Banksystem offenbar nicht mehr und wollen ihr Geld lieber außerhalb der Banken aufbewahren. Für einige Institute wird das bereits zum Liquiditätsproblem. "Sie haben das ganze Geld woanders investiert", so der Beamte, "und die Leute kommen und heben eine halbe Billion Rubel im Monat ab."
Auch Wirtschaftsexpertin Alexandra Prokopenko (40) sieht einen massiven Vertrauensverlust. "Das ist alles eine Konsequenz aus der Angst, dass die Regierung etwas mit den Banken vorhat, dass sie Anlagen verstaatlichen könnte." Sie warnt: "Ich würde nicht ausschließen, dass die Behörden ein Abhebelimit einführen könnten."
Russland hat zwischen 2022 und Ende 2025 bereits Vermögenswerte im Umfang von rund 6,5 Billionen Rubel verstaatlicht – damals etwa 72 Milliarden Euro. Gleichzeitig braucht der Kreml dringend Geld für den Krieg. Russland finanziert ihn unter anderem über Staatsanleihen, die vorwiegend von Banken gekauft werden. Doch auch dort wird das Geld offenbar knapper. Sberbank-Finanzvorstand Taras Skworzow (42) zufolge fehlt vielen Banken inzwischen das nötige Kapital.
Auch das Haushaltsloch wächst: Allein im ersten Halbjahr 2026 summierte sich das russische Haushaltsdefizit laut "Washington Post" auf umgerechnet 65,5 Milliarden Euro. Geplant waren ursprünglich 38,5 Milliarden.