Minderwertiges Benzin erlaubt

Russen ohne Sprit – Putin greift zu drastischen Mitteln

Russland erlebt die schwerste Benzinknappheit seit Jahrzehnten. Engpässe, Rationierungen und Preisrekorde treffen nun auch die Metropolen.
Newsdesk Heute
03.07.2026, 19:10
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Alarm an Russlands Tankstelle: Das Land, das zu den größten Öl- und Treibstoffproduzenten weltweit zählt, kämpft aktuell mit massiven Engpässen bei den Benzinsorten Ai-92 und Ai-95. Hauptgrund dafür sind ukrainische Drohnen- und Raketenangriffe auf Raffinerien, die zu Stillständen und plötzlichen Reparaturen führen.

Von den zehn größten Raffinerien im Land sind laut "NTV" nur noch zwei unbeschädigt. Die Produktion liegt rund 25 Prozent unter dem Wert vom Vorjahr. Derzeit werden etwa 90.000 Tonnen Benzin pro Tag erzeugt, gebraucht werden in der Reise- und Erntesaison aber mindestens 110.000 Tonnen.

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Hafenstadt ohne Sprit

Die Folgen für den Alltag sind dramatisch: In Irkutsk stehen die Leute bis zu 18 Stunden an, in Krasnodar sind es fünf bis sechs Stunden. Sogar im Umland von Moskau gibt es spürbare Engpässe. Vielerorts darfst du nur mehr 20 Liter pro Fahrzeug tanken, manchmal nur Ai-92, manchmal je nach Kennzeichen. Das Abfüllen in Kanister ist verboten.

Die Rationierung reicht mittlerweile bis nach Sibirien: In Omsk haben die Behörden die Abgabe auf 40 Liter pro Auto begrenzt. In der Hafenstadt Noworossijsk im Süden des Landes kam der Verkauf von Benzin am Freitag komplett zum Erliegen.

Preise auf Rekordhoch

Auch bei den Preisen spürt man die aktuelle Krise: Diese sind auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Betroffen sind Taxidienste, Busse, Müllabfuhr und die Landwirtschaft – und das mitten in der Erntezeit. In der Region Krasnodar mussten sogar zeitweise zehn Prozent der Taxifahrer wegen Spritmangel zu Hause bleiben. Engpässe gibt es in mehr als 20 Regionen, inzwischen auch in Moskau und St. Petersburg.

Auf der von Russland besetzten Krim hat Republikchef Sergej Aksjonow schon am 21. Juni die Treibstoffabgabe an Tankstellen gestoppt. Seitdem fahren viele Krim-Bewohner in die Nachbarregion Krasnodar zum Tanken. Dort spricht man inzwischen von echtem "Tanktourismus".

Wie schlecht die Versorgung wirklich ist, zeigen inzwischen auch die Bürger selbst: Auf der interaktiven Karte "Gde Benzin" ("Wo ist Benzin") markieren Autofahrer in Echtzeit, wo es noch Treibstoff gibt – und wo nicht. Ganze Regionen sind auf der Karte rot eingefärbt, weil dort kein Benzin mehr zu bekommen ist. Gleichzeitig berichten viele, dass Chats, in denen Russen Infos über verfügbares Benzin austauschen, im staatlichen Messenger "Max" gesperrt wurden.

Putin erlaubt minderwertigen Sprit

Der Kreml reagiert mit einer Maßnahme, die für ein Energieland ungewöhnlich ist: Russland importiert jetzt Treibstoff. Kremlsprecher Dmitri Peskow hat bestätigt, dass es Gespräche mit mehreren Ländern über Lieferungen zu akzeptablen Preisen gibt. Geplant sind rund 400.000 Tonnen Benzin pro Monat – darunter mindestens 60.000 Tonnen per Schiff aus Indien und weitere Lieferungen aus Belarus und Kasachstan.

Damit der Markt nicht noch mehr leidet, gelten Exportverbote für Benzin und Kerosin. Außerdem gibt es Subventionen für Importe und Raffinerien. Präsident Wladimir Putin hat Ende Juni "systemische Maßnahmen" zur Stabilisierung des Marktes angeordnet.

Die Regierung erlaubt außerdem bis Jahresende die Produktion und den Verkauf von Benzin mit dem alten Umweltstandard "Euro-3", der mehr Schwefel enthält. Dieser belastet nicht nur stärker die Umwelt, sondern kann für modernere Motoren ein Problem darstellen, heißt es in einem Bericht des "Kyiv Independent".

Aufregung um Kasachstan-Deal

Für besonderes Aufsehen sorgt der Deal mit Kasachstan, wonach Russland im Juli und August 50.000 Tonnen Benzin erhalten soll. Mehrere Branchenquellen sprechen von einer Lieferung "als humanitäre Hilfe". Diese Formulierung wird dem Kreml sicher nicht gefallen. Jedenfalls könnte es bei dem Handel ein Problem geben: die Sanktionen.

Diese könnten Lieferungen und Zahlungen erschweren. Eine Lösung wäre ein Tauschgeschäft, bei dem Russland Kerosin an Kasachstan liefern könnte, da dieses in dem Land aufgrund der Wartungsarbeiten an der Atyrau-Raffinerie gebraucht wird. Fix ist jedoch, dass auch ein erfolgreicher Kasachstan-Deal die Probleme nicht lösen wird.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 03.07.2026, 19:12, 03.07.2026, 19:10
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