Für FLINTA-Personen

Angst vor Übergriffen – Neues Taxi-Service für Frauen

Die Wienerin Sima D. (35) hat ein neues Taxi-Service für FLINTA-Personen ins Leben gerufen: "Es geht um die Sicherheit der Fahrgäste", meint sie.
Christine Ziechert
15.10.2025, 07:30
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Eine Taxifahrt spätnachts und allein kann als Frau schnell zu unangenehmen Situationen führen – oder Schlimmerem. So soll etwa am 4. September eine junge Wienerin (28) von einem Taxifahrer (53) unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden sein. Laut Polizei meldeten sich nach einem Aufruf noch zwei weitere mögliche Opfer.

Kein Einzelfall, wie auch die Wienerin Sima D. (35) weiß. Sie hat vor rund einem halben Jahr das "Flintaxi" für Flinta-Personen (Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Transgeschlechtliche und Agender-Personen) gegründet: "90 % der Taxler üben normal ihren Job aus. Aber manchmal wird man als Frau zu einem Gespräch gezwungen. Dann kommen so Bemerkungen wie: 'Du bist so hübsch', 'Du riechst so gut'", berichtet die 35-Jährige.

Taxler sperrte Frau im Auto ein

Aber dabei bleibt es meist nicht: "Oft kommen dann auch noch unangenehme Fragen wie 'Hast du einen Freund? Warum nicht?' oder 'Bist du Jungfrau?' Eine Bekannte hat mir erzählt, dass ein Taxifahrer unbedingt ihre Nummer wollte. Er hat sie im Taxi eingesperrt, bis sie ihm die Nummer geschickt hat. Dann hat er noch überprüft, ob es eh die richtige ist. Erst dann hat er sie rausgelassen. In einem anderen Fall wurde eine Transfrau aus dem Taxi geschmissen, weil sie 
eben trans ist", erzählt Sima D.

Die Wienerin ist eigentlich Lehrerin: "Ich rede viel mit den Kindern. Die Mädchen haben mir erzählt, dass sie nicht allein mit dem Taxi fahren dürfen oder dass sie immer von ihren Eltern abgeholt werden müssen. Da habe ich mir gedacht, da gehört ein Service her. Ein Taxi, in dem man sich sicher fühlt. Wir sind kein reines Frauen-Taxi, es geht einfach um vulnerable Personengruppen."

Fahrerinnen dringend gesucht

Im April gründete Sima D. daher "Flintaxi" – im Moment ist sie überwiegend selbst auf den Straßen unterwegs: "Es ist wirklich schwer, Fahrerinnen bzw. Flinta-Personen zu finden, die den Taxi-Schein haben. In Wien gibt es 9.000 gemeldete Taxifahrer, aber nur ein Prozent davon sind Frauen. Ich selbst habe den Taxi-Schein im Sommer gemacht und suche jetzt dringend weitere Fahrerinnen", erklärt die 35-Jährige, die auch einen Gewerbeschein hat.

Aufgrund ihres Hauptjobs als Lehrerin ist Sima D. derzeit nur an Freitagen, Samstagen und Feiertagen nachts unterwegs. Auf Vorbestellung sind auch Fahrten unter der Woche möglich, eine Registrierung auf der "Flintaxi"-Homepage ist dazu nötig: "Manchmal übernimmt auch ein Bekannter von mir – ein Pensionist – Fahrten, aber natürlich nur nach Rücksprache mit den Fahrgästen. Auch Nicht-Flinta-Personen, zum Beispiel Eltern, können für ihre Kinder bzw. für Flinta-Personen buchen", meint Sima D.

Auch Flughafenfahrten werden nach Vorbestellung von "Flintaxi" übernommen.
zVg

Orientierung an Taxi-Tarif

Die 35-Jährige übernimmt auf Vorbestellung Boten-, Personen- und Flughafenfahrten, aber auch Kleinmöbeltransporte: "Beim Preis halte ich mich an den Taxi-Tarif – ich darf allerdings nur 20 % darüber oder darunter sein. Die Fahrgäste können auch Preisvorschläge machen – viele orientieren sich ja auch den Tarifen von Fahrtendiensten. Ich schaue mir das dann an und sage zu oder ab."

Befördert werden die Fahrgäste mit einem E-SUV, der Platz für maximal fünf Personen bietet und zudem einen geräumigen Kofferraum hat. Gezahlt werden kann bar, mit Karte oder im Notfall auch per Banküberweisung. Der Fokus liegt für Sima D. auf Awareness, Sichtbarkeit und Sicherheit: "Für Fahrerinnen und Fahrgäste. Die Fahrt soll so entspannt sein wie ein Yoga-Retreat." Auf lange Sicht will die Wienerin das "Flintaxi" ausbauen – auch mit einer eigenen App: "Ich glaube, es ist eine Riesenlücke. Es ist gut, dass es das Angebot gibt, wenn es gebraucht wird."

{title && {title} } cz, {title && {title} } Akt. 16.10.2025, 14:48, 15.10.2025, 07:30
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