Bademantel über dem Anzug, Tiefgarage statt Freibad-Wetter: Floridsdorfs Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ) und der neue Chef der Wiener Bäder, Rainer Hauswirth, haben am Montag Nachmittag zu einer ungewöhnlichen "Bademantel"-Sprechstunde geladen.
Thema war das geplante neue Kinder- und Familienbad in der Edi-Finger-Straße in Stammersdorf, das bei Teilen der Nachbarschaft für heftigen Widerstand sorgt. Papai und Hauswirth hatten bereits angekündigt, im Bademantel zur Informationsveranstaltung zu erscheinen – und hielten Wort. Nur das Wetter spielte nicht mit: Aufgrund des starken Regens wurde die Versammlung kurzerhand in die Tiefgarage verlegt.
Zu der Veranstaltung waren mehrere Dutzend Personen gekommen, darunter auch Anrainer aus der unmittelbaren Umgebung des geplanten Bades. Sie konnten ihre Fragen und Bedenken direkt bei Bezirksvorsteher und Bäder-Chef deponieren.
Der Widerstand gegen das Projekt hatte sich zuletzt verstärkt, wie der ORF berichtete. Anrainer machen unter anderem mit Flugblättern gegen die Pläne mobil. Sie fürchten mehr Lärm, zusätzlichen Verkehr, weniger Privatsphäre und Belastungen während der Bauphase. Besonders die Verkehrssituation bereitet der Nachbarschaft Sorgen. Die Edi-Finger-Straße ist eine Sackgasse, Parkmöglichkeiten sind bereits jetzt knapp.
Hintergrund ist das in die Jahre gekommene Stammersdorfer Kinderfreibad in der Luckenschwemmgasse. Eine Sanierung würde sich laut Bezirksvorstehung finanziell nicht mehr auszahlen. Auf dem Grundstück soll stattdessen der bestehende Kindergarten erweitert werden.
Als Ersatz ist auf einer rund 3.500 Quadratmeter großen Fläche in der Edi-Finger-Straße 8 ein neues Kinder- und Familienbad geplant. Vorgesehen sind ein Nichtschwimmerbecken, ein Lehrschwimmbecken, ein Wasserspielgarten und ein Kinderspielplatz.
"Wir haben fünf, sechs Jahre nach einem passenden Grundstück gesucht. Eigentlich sollte dort ein Wohnhaus mit Kindergarten hinkommen. Doch stattdessen wird nun ein Kindergarten in der Luckenschwemgasse gebaut, der drei Mal so groß ist. Die MA 10 braucht das Grundstück nicht, deshalb will die MA 44 dort das Bad bauen", erklärte Papai gegenüber "Heute".
Der Baustart ist für 2028 vorgesehen, im Sommer 2029 soll das neue Bad eröffnen. Die Kosten belaufen sich auf 5,8 Millionen Euro und werden laut Bezirk vollständig aus Bezirksgeldern finanziert. Den Betrieb übernimmt die MA 44 (Wiener Bäder). Bis dahin soll das bestehende Bad in der Luckenschwemmgasse geöffnet bleiben.
Die Befürchtungen vor einer massiven Lärmbelastung hatte Papai bereits im Vorfeld gegenüber dem ORF zurückgewiesen: "Ein Kinder- und Familienbad hat eine andere Dimension als ein klassisches Freibad. Die Öffnungszeiten wie auch der Geräuschpegel sind hier viel eingeschränkter."
Politische Kritik kommt von ÖVP und FPÖ. Sie verweisen darauf, dass das derzeitige Bad in der Luckenschwemmgasse nicht ausgelastet sei. Leistbares Wohnen habe aus ihrer Sicht Vorrang vor einem zusätzlichen Familienbad. Die SPÖ verteidigt das Projekt hingegen mit dem Bedarf an Schwimmmöglichkeiten für Kinder: "Floridsdorf ist ein Wasserbezirk, die Kinder müssen hier einfach schwimmen lernen."