Am Linzer Schlossberg wurde am Wochenende zwei Tage lang intensiv diskutiert: Bei der 22. Österreichischen Strafverteidiger-Tagung forderten die Juristen vor vollem Haus klare Reformen im Jugendstrafrecht: Im Fokus standen vor allem junge Täter – sogenannte Systemsprenger – die immer mehr mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Ein zentraler Punkt: Haft sollte künftig seltener eingesetzt werden. Stattdessen sprechen sich die Experten für alternative Strafen aus. Dazu zählen etwa gemeinnützige Leistungen oder Modelle wie Hausarrest – "mit klar geregelter Tagesstruktur", etwa in betreuten WGs. Ziel ist es, junge Menschen stärker zu lenken, statt sie einfach wegzusperren. Denn: "Haft löst nicht, was vorher versäumt wurde", brachte es Präsident der Vereinigung der Strafverteidiger Philipp Wolm auf den Punkt.
Auch bei der Strafmündigkeit legten sich die Strafverteidiger per Beschluss fest: Eine Senkung der Altersgrenze lehnen sie ab. Vielmehr bedarf es einer wissenschaftlichen Überprüfung, ob die aktuelle Regelung überhaupt noch zeitgemäß sei. Zudem soll das Jugendgerichtsgesetz künftig ausgeweitet werden. Gleichzeitig fordern die Juristen die Einführung eines "Jugendgerichtshof Plus", der sich intensiver um besonders schwierige Fälle kümmern soll.