Familienvater Branko D. ist verzweifelt: Der 50-Jährige war vier Monate lang auf einer Baustelle für ein Wiener Luxus-Hotel beschäftigt, bekam konstant zu wenig Geld – knapp 13.000 Euro schuldet ihm seine Chefin noch.
Statt einer fairen Bezahlung bekam der dreifache Vater – er lebt seit 25 Jahren in Wien – bloß die kalte Schulter der Chefin, musste von einem Tag auf den anderen zum AMS stempeln gehen. "Ich muss aber arbeiten wegen meiner Kinder!", ist das Nichtstun für ihn keine Option.
Besonders brisant: Die Kündigung flatterte direkt nach einem kleineren Arbeitsunfall auf der Baustelle ins Haus. "Ich stand am Gerüst und habe eine schwere Platte getragen. Da ist das Holz eingebrochen und ich habe mir die Schulter verletzt. Die Leute haben mich ins Spital gebracht", erinnert er sich. Ein paar Tage lag er flach.
Denn als Facharbeiter für Innenausbau mit Spezialisierung auf Montage von Rigipswänden bedeutet die Arbeit eine schwere körperliche Belastung, für die man fit sein muss. Obwohl er laut Arzt noch nicht gesund war, ließ seine Chefin nicht locker, wollte ihn zurück am Bau sehen. Doch er lehnte ab. "Wenn man etwas sagt, ist man weg", musste Branko D. schmerzlich erfahren.
Auch elf weitere Bauarbeiter der besagten Baustelle an einem City-Hotelprojekt warten nach wie vor auf ihr rechtmäßiges Gehalt. Sie wandten sich allesamt an die Arbeiterkammer Wien. Wie in der Branche leider nicht selten, waren die Arbeitsverhältnisse von Branko und seinen Kollegen an eine "dubiose Subfirma" ausgelagert, die laut AK nicht mal eine Gewerbeberechtigung hatte.
Diese Unternehmen würden sich bei Problemen nicht selten in die Pleite flüchten oder sind von vornherein im Ausland angesiedelt. Für die österreichische Justiz sind sie nur schwer greifbar. Dennoch versucht die AK alles, um den enthaltenen Lohn von knapp 13.000 zurückzugewinnen – für Branko und seine Familie.