Wer auf Facebook, Instagram oder YouTube unterwegs ist, kann plötzlich über eine erstaunliche Meldung stolpern: Ein bekannter Moderator soll mit einer bestimmten Trading-Plattform ein Vermögen gemacht haben. Ein TV-Star verrät angeblich seinen persönlichen Investment-Trick. Oder ein Prominenter soll in einer Live-Sendung eine sensationelle Geldanlage empfohlen haben.
Das Problem daran: Solche Geschichten sind frei erfunden. Immer wieder werden bekannte Gesichter wie Armin Wolf oder Armin Assinger für derartige Fake-Werbungen missbraucht. Auch der deutsche Moderator Günther Jauch wurde zum Ziel solcher Kampagnen. Die Methode ist perfide, denn die Betrüger verkaufen nicht in erster Linie ein Finanzprodukt. Sie verkaufen Vertrauen.
Armin Wolf kennt die Masche seit Jahren. Der ORF-Moderator berichtete selbst über gefälschte Werbevideos, in denen er angeblich Kryptowährungen, Geldanlagen oder andere Produkte anpreist. In einem Fall wurde sogar ein echtes Studiogespräch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen verwendet und mit einer manipulierten Tonspur versehen. Wolf stellte klar: Die Werbevideos sind Fakes. Auch aktuell warnt er wieder:
Auch Armin Assinger wurde zum unfreiwilligen Werbeträger. In den gefälschten Videos werden Ausschnitte aus echten Fernsehsendungen verwendet und so manipuliert, dass der Eindruck entsteht, der ehemalige Skirennfahrer und Moderator würde eine bestimmte Investmentplattform empfehlen. Watchlist Internet warnte ausdrücklich davor. Das Muster ist immer ähnlich: Ein bekanntes Gesicht soll Seriosität vermitteln. Danach folgt die angebliche Sensation – mit wenig Geld soll sich angeblich schnell ein großes Vermögen aufbauen lassen.
Die technische Grundlage dafür liefern zunehmend KI-Werkzeuge. Die Täter müssen nicht einmal ein komplett neues Video produzieren. Häufig nehmen sie vorhandenes Material aus Fernsehsendungen, schneiden es zusammen und verändern Bild oder Ton. Bei den Deepfakes werden Personen Aussagen in den Mund gelegt, die sie niemals gemacht haben. Genau davor warnen österreichische Konsumentenschützer seit längerem. Die gefälschten Videos führen laut deren Warnungen zu betrügerischen Investmentplattformen und anschließend oft zu gefälschten Nachrichtenartikeln.
Für Nutzer wird es dadurch immer schwieriger, auf den ersten Blick zu erkennen, was echt und was manipuliert ist. Noch glaubwürdiger wird die Masche, wenn die Betrüger nicht nur einen Prominenten fälschen, sondern gleich ein ganzes Medienumfeld dazu erfinden. Dann sieht der Facebook- oder Instagram-Beitrag plötzlich wie ein echter Nachrichtenartikel aus. Ein bekanntes Logo prangt darüber, dazu ein Foto des Prominenten und eine spektakuläre Überschrift. Im Text wird behauptet, der TV-Star habe in einer Sendung über sein Investment gesprochen und damit unglaubliche Gewinne erzielt.
Wer auf den Beitrag klickt, landet anschließend auf einer professionell aussehenden Website. Doch auch diese Seite kann komplett gefälscht sein. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes System. Dass es sich dabei längst nicht mehr nur um einzelne Betrüger handelt, zeigt ein großer Fall aus Österreich. Im April 2026 gaben WKStA und Bundeskriminalamt bekannt, gemeinsam mit albanischen Behörden einen internationalen Internetbetrug aufgedeckt zu haben. Drei Callcenter in Albanien wurden ausgehoben. Die Täter hatten unter anderem österreichische Prominente als Köder eingesetzt.
Der bisher festgestellte Schaden beträgt mindestens 50 Millionen Euro, wobei die Ermittler davon ausgehen, dass die tatsächliche Schadenssumme noch deutlich höher sein könnte. Nur rund 900.000 Euro konnten laut den Behörden sichergestellt werden. Damit bekommt die Fake-Promi-Werbung eine völlig neue Dimension. Hinter dem harmlos wirkenden Posting kann eine international organisierte Betrugsmaschinerie stehen.
Die Social-Media-Anzeige ist dabei häufig nur der erste Schritt. Wer sich auf der beworbenen Plattform registriert, wird mitunter schon kurz darauf kontaktiert. Ein vermeintlicher Anlageberater meldet sich telefonisch und erklärt, wie einfach sich das Investment vermehren lasse. Zunächst kann eine kleine Einzahlung verlangt werden. Auf der Plattform scheint das Geld anschließend zu wachsen. Die vermeintlichen Gewinne sollen Vertrauen schaffen.
Dann kommt der nächste Schritt: Es wird zu weiteren Einzahlungen gedrängt. Das angezeigte Guthaben ist dabei nicht zwangsläufig real. Wer sein Geld wieder zurückhaben möchte, stößt häufig auf neue Gebühren, angebliche Steuern oder weitere Hindernisse. Am Ende kann und wird das gesamte eingezahlte Geld verloren sein.
Die Antwort ist einfach: Bekanntheit schafft Vertrauen. Ein unbekannter Mann in einem schlecht gemachten Internetvideo könnte viele Menschen skeptisch machen. Ein bekanntes Fernsehgesicht wirkt dagegen anders. Wer den Moderator seit Jahren aus dem Fernsehen kennt, verbindet mit ihm automatisch eine gewisse Glaubwürdigkeit. Genau dieses Vertrauen wird von den Betrügern gestohlen. Armin Wolf hat bereits früher darauf hingewiesen, dass solche Fake-Postings sogar auf grundsätzlich seriösen Websites auftauchen können.
Der Grund: Online-Werbung wird vielfach automatisiert ausgespielt. Medienhäuser wissen deshalb nicht zwingend, welche konkrete Werbung einem einzelnen Nutzer angezeigt wird. Das besonders Dreiste an der Methode: Die betroffenen Prominenten haben mit dem Investment nichts zu tun. Sie haben weder die Werbung produziert noch das Produkt empfohlen. Ihr Bild, ihre Stimme und ihre Bekanntheit werden ohne Zustimmung verwendet. Armin Wolf berichtete bereits 2019 von Facebook-Postings, in denen ihm angeblich eine "geheime Investition" zugeschrieben wurde. Auch damals stellte er klar, dass die Geschichten frei erfunden waren.
Die Masche hat sich seither technisch weiterentwickelt. Aus einem gefälschten Foto wurde ein manipuliertes Video. Aus einer manipulierten Tonspur kann heute ein immer überzeugenderer KI-Clip werden. Die Masche macht dabei nicht an Österreichs Grenze Halt. Auch Günther Jauch wurde in Deutschland zum unfreiwilligen Werbegesicht von Investment-Betrügern. Sein Name und sein Bild wurden für angebliche Krypto- und Finanzgeschäfte verwendet. Das Prinzip bleibt gleich: Ein prominenter Name soll den Eindruck vermitteln, das Angebot sei geprüft und seriös. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.
Die wichtigste Regel lautet: Nicht auf das bekannte Gesicht vertrauen, sondern die Behauptung überprüfen. Verspricht eine Anzeige außergewöhnlich hohe Gewinne, ist Vorsicht angebracht. Das gilt besonders dann, wenn angeblich nur eine kleine Einzahlung notwendig ist oder ein prominenter "Experte" zu schnellem Handeln drängt. Auch Zeitdruck ist ein Warnsignal. Formulierungen wie "nur noch heute", "geheimes Investment" oder "letzte Chance" sollen verhindern, dass potenzielle Opfer in Ruhe recherchieren. Bei Videos sollte man zudem auf auffällige Mundbewegungen, unnatürliche Stimmen oder merkwürdige Schnitte achten.
Allerdings gilt inzwischen auch: Ein Deepfake muss nicht mehr offensichtlich schlecht gemacht sein. Deshalb sollte die wichtigste Prüfung außerhalb des Videos stattfinden. Hat Armin Wolf tatsächlich eine bestimmte Geldanlage empfohlen? Gibt es dazu einen Beitrag auf der offiziellen Website des ORF oder eine glaubwürdige Meldung? Hat Armin Assinger tatsächlich dieses Produkt beworben? Gibt es eine nachvollziehbare Quelle? Wenn die Antwort nur aus einem Social-Media-Posting besteht, sollte die Alarmglocke schrillen.
Dass die Behörden inzwischen von einem internationalen Betrugssystem mit einem Schaden von mindestens 50 Millionen Euro sprechen, zeigt, wie professionell diese Masche geworden ist. Das nächste Mal, wenn ein Promi im Internet plötzlich verspricht, mit einer geheimen Methode reich geworden zu sein, sollte deshalb nicht die Frage lauten: "Wie kann ich da mitmachen?" Sondern: "Warum sollte dieser Promi das überhaupt sagen?" Sehr oft lautet die Antwort: Er hat es nie gesagt.