Nach drei Europameisterschaften in Folge hat es Österreich endlich geschafft. Rot-Weiß-Rot qualifizierte sich erstmals seit 28 Jahren wieder für eine Weltmeisterschaft. Am Donnerstag hebt der Flieger mit dem ÖFB-Tross in Richtung Los Angeles ab, mit an Bord sitzt auch Star-Stürmer Marko Arnautovic. Es ist der Karriere-Höhepunkt für den Teamstürmer – zumindest was die Nationalmannschaft angeht. Denn nach dem Mega-Turnier wird der 37-Jährige seine ÖFB-Teamkarriere beenden.
Als aktueller Rekord-Spieler und -Torschütze hat Arnautovic bereits ein großes Stück österreichischer Fußballgeschichte geschrieben, verwandelte sich vom "Bad Boy" zum Fan-Liebling. Trotzdem meint Bruder Daniel im Podcast "Gelb Rot": "Er ist sich im Weg gestanden."
"Marko ist jemand, der sich nicht verbiegen lässt, er ist eine ehrliche Haut, ist emotional. Da ist nichts gespielt dran. Er ist, wie er ist.", erklärte der Arnautovic-Bruder und -Berater, führte gleichzeitig aus: "Wenn man sich seine Karriere anschaut, die war sehr gut. Wenn du vom Käfig, vom Beton in Wien, rausgehst in die weite Welt und Profifußballer wirst, in den Top-Fünf-Ligen spielst und kontinuierlich Leistung bringst, dann ist das schon ein großer Erfolg. Aber: Es hätte mehr sein können."
Der nunmehrige ÖFB-Rekordteamspieler habe aber auch "ein bisschen Pech" gehabt, wie Bruder Daniel erzählte. "Er hat das Cupfinale mit Twente Enschede gegen Heerenveen gespielt, ist nach 18 Minuten rausgegangen, er hatte einen Ermüdungsbruch im Mittelfuß. Da hat man verhandelt mit halb Europa", erzählte Daniel Arnautovic, der selbst eine Fußballkarriere anstrebte, eigentlich auch als talentierter galt, seine Ambitionen allerdings früh begraben musste. Damals habe Chelsea Arnautovic haben wollen, wegen der Verletzung sei der Stürmer durch den Medizincheck gefallen, Arnautovic hätte Didier Drogba während des Afrika Cups ersetzen sollen. Der Deal platzte.
Danach ging es zu Inter Mailand: "Da hat gespielt, was Rang und Namen hat", so der Arnautovic-Bruder. Lazio Rom habe den jungen Arnautovic damals haben wollen. "Die Entscheidung war gut für ihn als Persönlichkeit, auch als Charakter. Aber vielleicht hätte man einen Step zurück in einer Top-Fünf-Liga machen können. Lazio war damals Mittelmaß, er hätte sich etwas aufbauen können", erzählte Daniel Arnautovic.
Es ging dann nach Bremen, Stoke City und West Ham United, über Shanghai und Bologna zu Inter Mailand. Und dann im vergangenen Sommer zu Roter Stern Belgrad. "Der richtige Schritt war damals zu Stoke, überragend. Damals, 2015 oder 2016, wollte Chelsea in der Winter-Transferzeit ihn verpflichten, sie haben am letzten Tag ein Angebot reingeschickt. Und Stoke hat gesagt: Geht nicht, unverkäuflich", erinnert sich der Berater. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bruder Daniel das Management des Fußball-Stars bereits übernommen.
Der Stürmer-Star folgte dann dem Ruf des Geldes nach China. Dann kam die Corona-Pandemie – eine harte Zeit für den Star-Stürmer. Es sei geplant gewesen, dass die Familie nach China kommt. Dazu kam es dann nicht mehr. "Da ist Geld nicht alles, und das hat er dann auch gemerkt", erzählte Daniel Arnautovic. Rund um die EM 2021 hatte der Stürmer seinem Bruder dann gesagt: "Ich will nicht mehr" – ein klarer Auftrag, den Kicker zurück nach Europa zu holen. "Da habe ich damals mit Milan verhandelt", erzählte der Arnautovic-Bruder, dann kam Bologna ins Spiel. "Hör zu, du Arschloch. Du wirst mir Arnautovic bringen", habe Bologna-Sportdirektor Walter Sabatini gesagt. Nach einem Telefonat habe dann auch Arnautovic gesagt: "Mach den Transfer fertig." Für den Kicker ging es zurück nach Europa, zu Trainer Sinisa Mihajlovic.
"2022 hätte Marko zu Manchester United gehen können. Das war fertig.", erzählte der Arnautovic-Bruder. Trainer Mihajlovic habe den Stürmer dann überzeugt, dass er bleibt. Nun werde der Torjäger noch ein Jahr bei Roter Stern bleiben.