Lange galt Marko Arnautovic im österreichischen Fußball als Reizfigur. Vor allem in jungen Jahren wurde ihm nachgesagt, sein großes Talent nie voll auszuschöpfen. Auch abseits des Platzes sorgte er wiederholt für negative Schlagzeilen. Im Juni 2012 etwa soll er bei einer Polizeikontrolle in Wien einen Beamten beschimpft haben. Dabei fiel laut Berichten der Satz: "Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen."
Für Aufsehen sorgte Arnautovic auch während seiner Zeit bei Werder Bremen. Gemeinsam mit Teamkollege Eljero Elia geriet er abermals ins Visier der Polizei. Im April 2013 wurde der damalige ÖFB-Teamspieler in den frühen Morgenstunden gestoppt, nachdem er mit seinem Sportwagen um 52 km/h zu schnell unterwegs gewesen war. Zudem soll er sich gegenüber den Beamten unangemessen verhalten haben. Ein Polizist sagte damals zur "Bild"-Zeitung: "Beide Profis haben sich unglaublich benommen. Sie haben die ganze Zeit auf dicke Hose gemacht."
Doch Arnautovic schaffte die Wende. In England fand der Rekordtorschütze der österreichischen Nationalmannschaft zunächst bei Stoke City, später bei West Ham United sportlich wie persönlich zu mehr Stabilität. Ein entscheidender Faktor dabei war seine Familie. Mit seiner Frau Sarah ist er seit Juni 2012 verheiratet, die beiden Töchter kamen anschließend zur Welt.
Bei einem Pressetermin zeigte sich der Stürmer selbstkritisch: "Ich glaube, ich habe mir durch meine Art selber viele Steine in den Weg gelegt. Meine Frau und Töchter haben mich geändert. Früher habe ich nicht so viel nachgedacht."
Doch nicht nur sein privates Umfeld stand oft im Fokus der Öffentlichkeit. Auch sein Auftreten auf dem Platz wurde lange diskutiert. Arnautovic gilt als emotionaler Spieler, der schnell mit sich selbst und seinen Mitspielern hadert. Diese Körpersprache wurde ihm von Kritikern oft als Arroganz ausgelegt. Dabei zeichnet er selbst ein anderes Bild von sich: "Wenn mich die Leute anschauen, sehen sie einen Menschen, der groß, stark, tätowiert und arrogant ist. Aber das stimmt nicht. Zu Hause habe ich nicht die Hosen an."
Dafür umso mehr auf dem Spielfeld. Spätestens seit seinem Rekordtor beim 10:0 gegen San Marino hat er sich in die Herzen vieler ÖFB-Fans gespielt. Der einst polarisierende Angreifer ist heute Leistungsträger und Führungsspieler.
Seine Karriere im Nationalteam ist jedoch noch nicht zu Ende. Für den 36-Jährigen steht mit der Weltmeisterschaft in Nordamerika ein weiterer Höhepunkt zum Abschluss bevor, erstmals wird er bei einer WM dabei sein. Die Ziele sind dabei klar formuliert: "Wir sind nicht in den USA, um Urlaub zu machen. Wir sind dort, um Fußball zu spielen und etwas zu erreichen." Der Auftakt für das ÖFB-Team erfolgt am 17. Juni. Gegner ist Jordanien, Anpfiff ist um 6 Uhr morgens österreichischer Zeit.