Ein folgenschwerer Zwischenfall bei einer Geburt beschäftigt in Tschechien die Justiz. Ein Arzt wurde verurteilt, nachdem ein Neugeborenes während der Entbindung zu Boden gefallen war. Das Mädchen schlug mit dem Kopf auf und erlitt einen Schädelbruch.
Der Vorfall ereignete sich bereits 2022 in einem Krankenhaus in Ceska Lipa (Böhmisch Leipa), rund 70 Kilometer nördlich von Prag. Wie NTV unter Berufung auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Tschechien berichtet, musste das Kind nach dem Sturz mehrere Wochen im Spital behandelt werden.
Nun musste sich der Mediziner vor Gericht verantworten. Das Bezirksgericht in Ceska Lipa verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu vier Monaten Haft auf Bewährung. Zusätzlich soll er der Familie eine Entschädigung von umgerechnet rund 14.000 Euro zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung ist möglich.
Der Arzt weist jede Schuld von sich. Er sprach vor Gericht von einer sogenannten "Projektilgeburt", bei der ein Baby besonders schnell geboren wird. Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls habe er sich um eine abgewinkelte Hand gekümmert und die Mutter aufgefordert, nicht zu pressen.
Das Gericht folgte dieser Argumentation allerdings nicht. Ausschlaggebend war unter anderem ein Gutachten der Uniklinik in Prag. Demnach hätte der Arzt das Risiko vorhersehen müssen. Bei möglichen Komplikationen hätte er zudem eine Hebamme um Unterstützung bitten sollen.