"Gefahr im Verzug"

Asbest im Schotter! Vier Steinbrüche sofort gestoppt

In vier Steinbrüchen im Burgenland soll asbesthaltiges Material abgebaut und als Schotter verkauft worden sein. Die Behörden orten "Gefahr im Verzug".
Newsdesk Heute
02.01.2026, 08:07
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Die Gerüchte gab es seit Jahren – jetzt greifen die Behörden durch: Im Mittel- und Südburgenland sind vier Steinbrüche mit sofortiger Wirkung behördlich zugesperrt worden. Der Grund ist brisant: Es steht der Verdacht im Raum, dass dort gemeinsam mit anderem Gestein natürlich vorkommender Asbest abgebaut und anschließend als Material in den Verkehr gebracht wurde – etwa als Schotter oder Splitt.

Der Staub, der vom Steinbruch verweht werde, soll Krankheiten verursacht haben, auch Krebs wird als mögliche Folge genannt. Lange blieb das allerdings bei Gerede, Belege gab es bisher keine. Wie die "Krone" berichtet, deutet nun vieles darauf hin, dass an dem Verdacht tatsächlich etwas dran sein könnte.

Vier Betriebe eingestellt

Konkret betrifft es vier Betriebe: einen Steinbruch im Bezirk Oberpullendorf sowie drei im Bezirk Oberwart. Die jeweiligen Bezirkshauptmannschaften haben per Mandatsbescheid angeordnet, den gesamten Gewinnungs-, Abbau- und Aufbereitungsbetrieb unverzüglich einzustellen.

Seitens des Landes wird die Maßnahme gegenüber der "Krone" bestätigt: "Grundlage für diese Maßnahme waren behördliche Überprüfungen gemäß § 175 Mineralrohstoffgesetz. In Folge wurden im November 2025 Material- und Bodenproben entnommen und durch ein Fachlabor untersucht. In sämtlichen untersuchten Proben wurde Asbest nachgewiesen." Auf Basis dieser Ergebnisse könne eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden, besonders für Beschäftigte und Kunden.

"Sofortiges Handeln erforderlich"

Das Land betont auch die Dringlichkeit: "Im vorliegenden Fall war ein sofortiges Handeln der zuständigen Behörden bei noch laufenden Verfahren erforderlich und die unverzüglich angeordneten unaufschiebbaren Maßnahmen wegen Gefahr im Verzug alternativlos. Die zugrunde liegenden Verwaltungsverfahren laufen vor diesem Hintergrund weiter."

Stark krebserregend

Asbest gilt als stark krebserregend, schon geringe Belastungen können Erkrankungen auslösen. Besonders riskant ist das Einatmen von Fasern, die bei Abbau oder Bearbeitung entstehen können. Darum werden belastete Gebäude bei Sanierungen unter strengen Schutzmaßnahmen bearbeitet – das macht solche Arbeiten aufwendig und teuer. In gebundener, fester Form gilt Asbest hingegen als ungefährlich.

Betroffen sind laut Land die Steinbrüche Pilgersdorf, Glashütten bei Schlaining, Bernstein und Badersdorf. Diese Betriebe müssen nun ihre Kunden informieren. Außerdem heißt es: "Die Steinbrüche bleiben bis zur behördlichen Feststellung der vollständigen Beseitigung der bestehenden Gefahrenlage geschlossen".

Schotter für Einfahrten, Gärten und Friedhöfe

Unklar ist derzeit, wofür das abgebaute Material im Detail verwendet wurde und an wen es verkauft worden ist. Zumindest ein Teil dürfte aber zu Streusplitt verarbeitet worden sein. Als Abnehmer werden unter anderem umliegende Gemeinden genannt. Ebenso steht im Raum, dass Schotter für Wege, Einfahrten, Gärten oder auch Friedhöfe verwendet wurde – und das womöglich über Jahre hinweg.

In vielen Orten schrillen nun die Alarmglocken. Auch weitere Betriebe könnten betroffen sein. Laut Angaben aus dem Umfeld hängen zudem rund 500 Arbeitsplätze an den Steinbrüchen. In den Gemeinden wächst unterdessen die Sorge, ob Menschen in der Vergangenheit mit möglicherweise belastetem Material in Kontakt gekommen sind und welche Folgen das haben könnte. Denn Erkrankungen treten oft erst Jahre später auf, was eine klare Zuordnung im Nachhinein zusätzlich erschweren kann.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 02.01.2026, 08:51, 02.01.2026, 08:07
Jetzt E-Paper lesen