In der Steiermark wird bei Deutschkursen für Asylberechtigte und Vertriebene deutlich gekürzt. Im kommenden Quartal sinkt die Zahl der angebotenen Kurse von 105 auf nur noch 64. Das bestätigte der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) auf Nachfrage der Kleinen Zeitung.
Der Rückgang sorgt für Diskussionen. Für Caritas-Direktorin Nora Tödtling-Musenbichler liegt die Ursache allerdings nicht bei den Teilnehmern. "An der Motivation, Deutsch zu lernen, scheitert es bei Migrantinnen und Migranten nicht. Im Gegenteil. Unsere Kurse sind alle bei 90 bis 100 Prozent Auslastung“, sagt sie der Kleinen Zeitung.
Derzeit besuchen rund 1.400 Migranten in der Steiermark einen Deutschkurs des ÖIF. Angeboten werden Kurse von der Alphabetisierung bis zum Sprachniveau C1. Neben der Caritas führen auch andere Einrichtungen wie bfi und ISOP die Kurse durch.
Tödtling-Musenbichler spricht von Kürzungen und verweist zugleich auf die veränderte Asylpolitik. "Bund und Länder haben den Familiennachzug ausgesetzt und auch die Zielgruppe der Menschen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit fällt weg."
Der dadurch entstandene Tiefststand bei den Asylanträgen führe in weiterer Folge zu einer Reduzierung der Kurszahlen. Laut Statistik Austria beantragten 2024 österreichweit 25.360 Menschen Asyl. 2025 waren es nur noch 16.668.
Auch die Zahl der Menschen in der Grundversorgung ist zurückgegangen. Anfang Juni 2026 befanden sich in der Steiermark rund 6.330 Personen in der Grundversorgung, darunter 5.456 Vertriebene aus der Ukraine. Im Februar 2025 waren es noch 7.730 Personen.
Das Büro von FPÖ-Landesrat Hannes Amesbauer bestätigt gegenüber der Kleinen Zeitung diese Entwicklung. "Der Rückgang ist insbesondere auf die derzeit sinkenden Asylantragszahlen und den temporär ausgesetzten Familiennachzug zurückzuführen."
Der Österreichische Integrationsfonds betont, dass Deutschkurse aus öffentlichen Steuermitteln finanziert werden und nach den Grundsätzen der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit organisiert seien. Die Kurse würden quartalsweise entsprechend dem tatsächlichen Bedarf bei den Kursinstituten abgerufen.
Dass Asylberechtigte künftig keinen Kursplatz mehr erhalten könnten, weist der ÖIF zurück. Sollte kein passender Deutschkurs verfügbar sein, gebe es die Möglichkeit von Individualförderungen. Dabei würden Kursplätze am freien Markt finanziert.
Für die Caritas bleibt Deutsch dennoch der Schlüssel zur Integration. "Das Erlernen der Sprache ist die einzige und richtige Form der Integration", sagt Tödtling-Musenbichler.