Skandal in Kairos Höhlenkirche

Austro-Konzert löst landesweiten Eklat in Ägypten aus

Ein österreichisches Kulturprojekt hat in Ägypten einen handfesten Skandal ausgelöst. Die Veranstalterin musste sich beim Bischof entschuldigen.
Leo Stempfl
19.05.2026, 12:05
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Wer am Dienstag die Startseiten ägyptischer Medien besucht, wird dort oftmals gleich ganz oben von Aufnahmen einer österreichischen Künstlerin überrascht. Der Hintergrund ist aber keinesfalls positiv – im 116-Millionen-Einwohner-Land gibt es einen handfesten Skandal.

Auch in sozialen Netzwerken gehen die Videos viral. Sie zeigen ein Konzert in Kairos berühmter Höhlenkirche von Manschiyyet Nasser, veranstaltet am Freitag vom Österreichischen Kulturforum Kairo. Durch das Heiligtum dringen harte Bässe und schnelle Techno-Melodien, eine Frau tanzt hinter dem DJ-Pult am Altar.

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Schließlich wurde es dem Gastgeber zu viel: Kairos Jugendbischof Anba Moussa zog dem Event im wahrsten Sinne des Wortes den Stecker, schaltete den Strom ab, beendete die Veranstaltung abrupt. Die Inhalte seien aufgrund ihrer "biblischen und doktrinären Verstöße nicht mit den Lehren und Riten der koptisch-orthodoxen Kirche vereinbar", zitiert ihn der "Egypt Telegraph". Wie konnte es dazu kommen?

Kunstprojekt nahm unerwartete Wende

Das österreichische Studentenmagazin "Campus a" war vor Ort dabei. Demnach handelte es sich ursprünglich um ein internationales Kulturprojekt mit Jugendlichen. Manschiyyet Nasser ist ein riesiges informelles Viertel, das auch als "Müllstadt" bekannt ist und 600.000 Menschen beherbergt. Viele von ihnen sind koptische Christen, einst aus Mittelägypten eingewandert.

Für sie ist das Kloster des Heiligen Simon mit der Höhlenkirche, die gleichzeitig die größte Kirche im Nahen Osten ist, das wichtigste Glaubenszentrum. Die österreichische Künstlerin Crystn Hunt Akron präsentierte eben dort ihr Projekt "Plasticphonia", wobei mit Jugendlichen aus dem Viertel auf selbstgebauten Instrumenten aus Plastikmüll musiziert wurde.

"Doch sie tanzte weiter"

So weit, so gut – doch im weiteren Verlauf des Konzerts wurde es zunehmend experimenteller und, zumindest für die christlichen Würdenträger, zu unkonventionell-modern. Die Klänge wurden zum DJ-Pult übertragen, dort darauf basierend harte Techno-Melodien erzeugt. Begleitet von bunten Lichtprojektionen erfasste Partystimmung den Raum, berichtet "Campus a".

„Kaum hatte die Veranstaltung begonnen, sah einer der zuständigen Priester die österreichische Organisatorin tanzen. Er wies sie darauf hin, dass dies unangebracht sei, doch sie tanzte noch weiter.“
Eine Quelle aus dem Inneren der Kirchegegenüber dem "Egypt Telegraph"

Einige Besucher tanzten, bei anderen machte sich Unwohlsein breit. Plötzlich wurde es leise, Lichter gingen aus. Nach einigen Diskussionen verließen die Besucher den Raum, das Event nahm ein jähes Ende.

In sozialen Netzwerken verbreiteten sich die Aufnahmen in Windeseile, zusammen mit der harten Kritik des Jugendbischofs. Offenbar war den Verantwortlichen nach den ersten Proben nicht vollumfänglich klar, was genau in der Höhlenkirche aufgeführt werden soll. Möglich ist, dass nur die instrumentalen Klänge mit den Jugendlichen geprobt wurden, nicht aber das anschließende Techno-Set.

"Bedauern zutiefst"

Die österreichischen Veranstalter haben daraufhin einen langen Entschuldigungs-Brief übermittelt. "Der Workshop mit den Jugendlichen von Manschiyyet Nasser war für uns alle ein zutiefst bewegendes Erlebnis", schreibt Daniela Herta, Direktorin des Österreichischen Kulturforums in Kairo, darin eingangs.

Trotzdem sei die Darbietung offenbar von "prominenten koptischer Persönlichkeiten als völlig unpassend für die Heiligkeit des Ortes erachtet" worden. "Wir bedauern dies zutiefst. Wir hoffen aufrichtig, dass die Aufführung in keiner Weise als respektlos empfunden wurde. Das war absolut nicht unsere Absicht."

{title && {title} } leo, {title && {title} } Akt. 19.05.2026, 12:14, 19.05.2026, 12:05
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