Sie sind unter 14, teils mehrfach auffällig – und für Polizei wie Justiz kaum greifbar, da sie strafunmündig sind. Konsequenzen bleiben für diese Intensivtäter daher oft aus, die Behörden stoßen immer öfter an ihre Grenzen. Als Lösung ist eine geschlossene "Auszeit-WG" geplant.
Dort sollen Kinder mit hoher Selbst- oder Fremdgefährdung nach schweren Vorfällen vorübergehend angehalten werden können – befristet auf maximal sechs Wochen. Eine Bewohnervertretung prüft den jeweiligen Fall, gegebenenfalls wird das Bezirksgericht eingeschaltet. Zum Start des Pilotprojektes spätestens im April sind zwei Plätze vorgesehen – "Heute" berichtete.
In der ersten Phase dürfen die Jugendlichen die Einrichtung nur für Arzt- oder Behördenwege und nur in Begleitung verlassen. Bei positivem Verlauf sind schrittweise Ausgänge geplant. Das Betreuungsteam ist rund um die Uhr anwesend, Überwachungskameras oder Sicherheitsdienste gibt es keine.
Doch die geplante geschlossene Wohngruppe sorgt für heftige Kritik. Sowohl das Vertretungsnetz als auch die Wiener Grünen warnen vor einem gefährlichen Schritt – und fordern stattdessen mehr Personal und Strukturreformen in der Kinder- und Jugendhilfe.
"Je geschlossener Systeme nach außen sind, desto mehr Gefahr besteht, dass isolierte, vulnerable Menschen der Institution ausgeliefert sind. Das Risiko, psychische oder physische Gewalt zu erleiden, steigt", schlägt das Vertretungsnetz in einer Aussendung Alarm. Gerade bei Kindern sei die Gefahr besonders groß, dass geschlossene Einrichtungen strukturelle Gewalt begünstigen.
Auch international seien solche Projekte problematisch, sagt Grainne Nebois-Zeman, Fachbereichsleiterin der Bewohnervertretung: "In internationalen Studien hat sich gezeigt, dass solche Einrichtungen für delinquente Kinder und Jugendliche nur eine Art vorgestreckter Haft sind und wenig zur Resozialisierung beitragen." Zudem verwies sie auf die Kinderrechte: "Das Grundrecht auf persönliche Freiheit gilt auch für Kinder und Jugendliche. Hier dürfen keine Rückschritte zugelassen werden."
Auch die Wiener Grünen kritisieren das Vorhaben scharf. Familiensprecherin Ursula Berner sieht darin einen massiven Eingriff: "Das Einsperren von unter 14-Jährigen in einer geschlossenen Unterbringung stellt einen besonders schweren Eingriff in das Leben der Kinder dar."
Statt nachhaltiger Verbesserungen in der MA 11 (Kinder- und Jugendhilfe) setze Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) auf eine Maßnahme, die mehr Symbolpolitik als Hilfe sei: "Wieder mal eine symbolische PR-Maßnahme, die niemandem hilft."