Kennt eigene Adresse nicht

Autohändler ließ Autos verschwinden – keiner weiß wohin

In Graz stand ein 39-Jähriger vor Gericht, weil Autos spurlos verschwanden. Er schwieg zu fast allem – konnte nicht einmal seine Adresse nennen.
Christoph Weichsler
20.03.2026, 15:10
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Ein Autohändler, der seine eigene Adresse nicht nennen kann, verschwundene Fahrzeuge und ein Schuldenberg von rund einer Million Euro: Am Grazer Straflandesgericht stand ein 39-Jähriger im Mittelpunkt, der selbst einfachste Fragen ins Leere laufen ließ.

Der Richter versuchte gleich zu Beginn, zumindest die Personalien zu klären – doch schon daran scheiterte es. Auf die Frage nach seinem Wohnort antwortete der Mann nur ausweichend, er lebe "bei Freunden und Verwandten in Deutschland". Eine genaue Adresse? Kannte er nicht. Auch weitere Nachfragen brachten kaum mehr als Schweigen.

Wo lebt dieser Mann überhaupt?

Auch seine Lebenssituation blieb weitgehend im Dunkeln. Der 39-Jährige hatte kein Einkommen, keinen festen Wohnsitz und Schulden in Höhe von rund einer Million Euro. Sein Autohandel in Leibnitz war bereits insolvent, die Immobilien waren ebenfalls verloren.

Wovon er lebte, beantwortete er knapp mit: "Von der Familie." Wie das konkret aussieht, ließ er offen. Insgesamt blieb der Angeklagte im gesamten Prozess auffallend wortkarg.

Autos verkauft – und dann verschwunden

Inhaltlich ging es um eine Serie an dubiosen Geschäften. Mehrere Fahrzeuge waren geleast, weiterverkauft – und danach schlicht nicht mehr auffindbar. Ein kreditfinanzierter BMW verschwand komplett, Schaden über 7.000 Euro.

Ein weiterer BMW wurde trotz Leasing verkauft und landete bei einem gutgläubigen Käufer in der Schweiz. Für die ursprünglichen Eigentümer war das Fahrzeug damit endgültig verloren - Schaden rund 50.000 Euro.

Gefälschte Rechnungen und Chaos

Zusätzlich standen gefälschte Rechnungen bei Autoexporten im Raum. Der Masseverwalter schilderte ein deutliches Bild: kein Kontakt zum Schuldner, keine Adresse, keine Zusammenarbeit. Das Geschäftslokal in Graz entpuppte sich als praktisch wertlos - dort lagerten lediglich Autoreifen im Wert von rund 1.400 Euro. Auch zwei Immobilien konnten nicht verwertet werden.

Urteil ist gefallen

Am Ende blieb dem Gericht wenig Spielraum. Der Mann wurde wegen Veruntreuung, schweren gewerbsmäßigen Betrugs, betrügerischer Krida und Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Nur in einem Punkt gab es einen Freispruch.

Die Strafe fiel deutlich aus: zweieinhalb Jahre Haft. Zusätzlich muss er rund 70.000 Euro an Geschädigte zurückzahlen, unrechtmäßig erlangter Gewinn wird eingezogen. Ob er das Urteil akzeptiert, ließ der Angeklagte offen. Sein Verteidiger beantragte drei Tage Bedenkzeit. Somit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

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