Zu viele Autos, zu wenig Gegensteuern. Eine aktuelle Fachpersonenbefragung des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) zeichnet ein klares Bild: In Österreich wird beim Thema Verkehrsvermeidung massiv geschlafen. 435 Experten nahmen an der Umfrage teil, und sie sehen die Hauptverantwortung klar bei der Politik.
Die Befragten sind sich einig: Obwohl Verkehrsvermeidung viele Vorteile hätte, werden viel zu wenige Maßnahmen umgesetzt. Besonders genannt werden die Reduktion von Schadstoffen, Lärm und CO2-Emissionen, aber auch attraktivere Ortskerne und ein geringerer Energieverbrauch.
Das größte Einsparpotenzial sehen die Fachleute bei regelmäßig zurückgelegten Wegen. Allen voran bei Arbeitswegen, aber auch bei Schul- und Ausbildungswegen. Ebenso großes Potenzial orten sie bei dienstlichen Fahrten und im Freizeitverkehr. Vergleichsweise gering fällt das Potenzial bei Einkaufsfahrten sowie Hol- und Bringdiensten aus.
Klarer Konsens herrscht beim Blick auf mögliche Lösungen. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs gilt als wirksamste Maßnahme gegen den Autoverkehr. 82 Prozent der Befragten sehen hier ein sehr großes Potenzial, weitere 15 Prozent zumindest ein eher großes.
Auch der Ausbau von Infrastruktur für Gehen und Radfahren überzeugt: 75 Prozent orten hier ein sehr großes Potenzial. 72 Prozent setzen zudem auf Raumplanung mit kurzen Wegen.
Warum passiert so wenig? Auch darauf gibt die Umfrage eine deutliche Antwort. 70 Prozent sehen fehlenden politischen Willen und unzureichende gesetzliche Rahmenbedingungen als größtes Hindernis. Mehr als die Hälfte nennt zudem den Widerstand wirtschaftlicher Interessen sowie Maßnahmen, die sogar zusätzlichen Verkehr erzeugen.
Dazu zählen laut Experten etwa der Bau neuer Autobahnen, zunehmende Zersiedelung sowie klimaschädliche Förderungen. Genannt werden vor allem Steuerbegünstigungen für Diesel und die private Nutzung von Dienstwagen, die den Autoverkehr weiter anheizen.