Der 3-jährige Adam sitzt dick eingepackt auf seinem Schlitten, die Wangen knallrot vor Kälte – und vor Freude. Neben ihm steht sein Onkel Paul, bereit zum Anschieben. Mitten in Wien – dort, wo sonst Autos hupen und Motorräder vorbeirauschen – gehört die Straße jetzt ganz den Kindern und Familien.
Der Winter hat die Bundeshauptstadt fest im Griff. In den vergangenen Tagen hat es kräftig geschneit, stellenweise liegen mehr als zehn Zentimeter Schnee. Und das hat eine alte Wiener Tradition wieder zum Leben erweckt: die Rodelstraßen.
Eine dieser besonderen Straßen liegt im 7. Bezirk, am St.-Ulrichs-Platz. Zwischen Burggasse und Zeismannsbrunngasse ist der Verkehr gesperrt, Warnschilder stehen, Absicherungen sind angebracht. Statt Autos sausen hier nun Schlitten über den Schnee.
Dass Wien solche Straßen überhaupt hat, ist keine neue Idee. Im November 1950 erklärte die Bundespolizeidirektion Wien gemeinsam mit dem Magistrat erste Straßenzüge versuchsweise zu Rodelstraßen. Die Rechtsgrundlage dafür lieferte die damalige Straßenpolizei-Ordnung. Voraussetzung war schon damals ausreichend Schnee – mindestens zehn Zentimeter.
In den 1950er-Jahren boomte das Angebot: 1959 listete die Stadt Wien ganze 19 Rodelstraßen auf. Heute sind es deutlich weniger. Neben dem 7. Bezirk gibt es aktuell auch eine Rodelstraße in Meidling: die Schwenkgasse zwischen Spittelbreitengasse und Pohlgasse.
Die Rodelstraßen dürften wohl noch länger befahrbar sein. Schon am Montagnachmittag treffen dichtere Wolken ein und im Wienerwald erwartet man etwas Schneefall. Bis Mittwoch liegen die Temperaturen nicht oder nur knapp über dem Gefrierpunkt.