Ohne Genehmigung

Abriss-Skandal – 350-jähriges Wiener Baujuwel zerstört

Im Frühjahr warnten Bürger vor der umstrittenen Umwidmung des Khleslplatzes trotz Schutzzone. Nun wurde ein hunderte Jahre altes Baujuwel abgerissen.
Wien Heute
11.01.2026, 12:00
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Noch im März hat "Heute" berichtet, jetzt scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen der Anrainer zu bewahrheiten: Am idyllischen Khleslplatz in Wien-Meidling, dem letzten Dreiecksanger Wiens und seit 1973 Schutzzone, wurde offenbar ein rund 350 Jahre altes Baujuwel zerstört.

Wie der "Kurier" berichtete, rückten kurz vor Weihnachten Bagger an und demolierten einen historischen, schindelgedeckten Taubenschlag im Innenhof der Liegenschaft Khleslplatz 3 – ein Kleinod, das laut Urkunden bereits 1683 zur Zeit der Türkenbelagerung existierte.

Schutzzone – und trotzdem weg?

Brisant: Laut Auskunft der Wiener Baupolizei wäre für den Abbruch des jahrhundertealten Bauwerks eine Genehmigung notwendig gewesen, ein entsprechender Antrag wurde aber nie gestellt – der Abriss war also illegal. Für die Bürgerinitiative "Rettet den Khleslplatz!" ist der Schaden enorm: Der Hof sei komplett planiert, das historische Bauwerk unwiederbringlich verloren.

Warnungen bestätigt

Im Frühjahr hat "Heute" über die umstrittene Umwidmung berichtet. Damals schlugen Anwohner Alarm, weil trotz Schutzzone plötzlich bis zu 16,5 Meter hohe Gebäude möglich werden sollten. Konkret betroffen: die Grundstücke Khleslplatz 3 und 8 – genau dort, wo sich hinter den historischen Häusern bislang Gärten und Nebengebäude befanden.

Die Sorge: Verbauung durch die Hintertür, Schaffung eines Präzedenzfalls und schleichende Aushöhlung der Schutzzone. Eine Petition sammelte binnen Tagen über 1.000 Unterschriften, eine Bürgerinitiative formierte sich. Trotzdem ging Flächenumwidmung letzten Endes im Gemeinderat durch. Jetzt – wenige Monate später – ist erstmals historische Substanz in dem Gebiet tatsächlich verschwunden.

FPÖ: "Kulturpolitischer Skandal"

Scharfe Kritik kommt von der FPÖ Wien. Der Meidlinger FPÖ-Gemeinderat LAbg. Lukas Brucker zeigt sich empört: "Dass ein Bauwerk, das bereits zur Zeit der Türkenbelagerung existiert hat, im Jahr 2025 mitten in einer Wiener Schutzzone zerstört wird, ist ein kulturpolitischer Skandal ersten Ranges."

Und weiter: "Die Befürchtungen der Bürgerinitiative und der FPÖ haben sich voll bestätigt. Wenn selbst Bauwerke aus dem 17. Jahrhundert nicht mehr sicher sind, dann hat die rot-pinke Stadtregierung beim Kulturgüterschutz vollständig versagt." Brucker fordert empfindliche Strafen für Eigentümer und Investor sowie ein sofortiges Zurückziehen aller Baubescheide, bis die Causa restlos aufgeklärt ist.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 11.01.2026, 15:22, 11.01.2026, 12:00
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