Nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade verdichten sich die Hinweise auf einen Sorgerechtsstreit als mögliches Tatmotiv. Die Ermittler gehen diesem Verdacht nach, neue Details zeichnen nun ein genaueres Bild des mutmaßlichen Täters.
Bei der Bluttat waren sechs Erwachsene getötet worden. Nach Angaben der Polizei wurden außerhalb der Jugendhilfeeinrichtung keine weiteren Menschen verletzt oder getötet.
Laut "Spiegel" soll es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 45-jährigen türkischen Staatsbürger aus Garbsen bei Hannover handeln. Dem Bericht zufolge soll gegen den Mann zuvor bereits wegen Bedrohung ermittelt worden sein. Verurteilt worden sei er jedoch nicht.
Der Mann stehe außerdem im Verdacht, sein damals drei Monate altes Kind geschüttelt zu haben. Ein Arzt soll entsprechende Verletzungen festgestellt haben.
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Die Mutter des Kindes, die von dem Mann getrennt gelebt haben soll, war demnach gemeinsam mit dem Kind in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade untergebracht. Das zuständige Amtsgericht soll sich bereits mehrfach mit dem Sorgerechtsstreit befasst haben.
Am Tag der Tat war nach Informationen des "Spiegel" ein Termin in der Einrichtung geplant. Demnach sollte der Vater mit Mitarbeitern der Jugendhilfeeinrichtung und Vertretern des Jugendamts sprechen.
Die Polizei prüft derzeit, ob das Gespräch eskalierte und der Mann anschließend auf die Anwesenden schoss. Auch die Herkunft der mutmaßlich verwendeten Pistole ist Gegenstand der Ermittlungen. Die Mutter und das gemeinsame Kind blieben laut den Informationen unverletzt.
Nach der Tat wurde der Tatverdächtige gemeinsam mit einer 65-jährigen Frau in einem Auto angehalten. Nach Angaben der Polizei soll die Frau enge familiäre Beziehungen zum mutmaßlichen Täter haben. Sie wurde in Gewahrsam genommen.
Laut der Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol war der Mann "bisher nicht als absolut gewalttätig" aufgefallen. Er sei den Behörden allerdings bereits bekannt gewesen.