Finale im Prozess um ein mutmaßlich schwer misshandeltes Baby am Wiener Landesgericht. Der 35-jährige Vater stand wegen versuchten Mordes an seinem Baby vor Gericht. Laut Anklage soll er das Mädchen im April und Mai 2025 zweimal so heftig geschüttelt haben, dass es Hirnblutungen und Serienrippenbrüche erlitt. Die Mutter (38) des Kindes musste sich wegen Beihilfe und unterlassener Hilfeleistung verantworten.
Beide bekannten sich nicht schuldig. "Es besteht kein Zweifel, dass der Angeklagte seine Partnerin schon in der Schwangerschaft bedroht und geschlagen hat", so die Staatsanwältin zu Beginn der Verhandlung. Er folgte dem Fortgang der Verhandlung mit versteinerter Miene, ließ keine Gefühlsregung erkennen. Sie schluchzte gegenüber auf der Anklagebank.
Dienstag sagte die Mutter der angeklagten Kroatin aus. "Er wollte immer im Mittelpunkt stehen, alle mussten ihn bewundern", so die Frau über den 35-jährigen Vater ihres Enkelkindes. "Er erzählte von einer Wohnung und einem Haus, das er angeblich besitzt. Doch er hat uns alle manipuliert." Ihr "Schwiegersohn" sei ein notorischer Lügner. "Deshalb lernten wir auch seine Eltern nicht kennen." Der Deutsche saß wegen Gewaltdelikten in Haft, hat schon mehrere Vorstrafen angehäuft. Auch davon erfuhren die Eltern seiner Freundin vorerst nichts.
Bei ihrer Tochter habe sie einmal einen blauen Fleck mit einer Kruste im Gesicht bemerkt, erzählte die Oma des Babys im Zeugenstand. "Mit dem Kind ist er wie mit einer Plastikpuppe umgegangen – leicht und sorglos." Gesehen habe sie allerdings nicht, dass er das Kind misshandelt habe. Der Deutsche mit Migrationshintergrund sitzt seit Mai in Untersuchungshaft. Bereits am ersten Verhandlungstag Mitte Februar bestritt er, das Baby geschüttelt zu haben. Seine Darstellung änderte er mehrmals, unter anderem soll das Kind vom Wickeltisch gefallen sein.
Auch zwei Ärztinnen sagten aus. Eine 29-jährige Kinderärztin berichtete, die Eltern hätten bei einem Spitalbesuch im Mai 2025 von einer "besorgniserregenden Episode" erzählt. Das zwei Monate alte Baby habe so lange geschrien, bis es Stimme und Muskelspannung verloren habe.
Als die Ärztin vorschlug, das Kind zur Beobachtung im Spital zu behalten, habe der Vater laut ihrer Aussage "sehr aufbrausend" reagiert und das Zimmer verlassen. Verletzungen wie blaue Flecken oder Rippenbrüche habe sie damals nicht festgestellt. Zwei Tage später suchten die Eltern die Ambulanz in der Klinik Ottakring auf.
Bei dieser Untersuchung wurden schließlich schwere Verletzungen festgestellt: Rippenbrüche unterschiedlichen Alters sowie Hirn- und Netzhautblutungen. Außerdem wurde eine lebensbedrohliche Schwellung des Gehirns durch Flüssigkeitsansammlung entdeckt. "Als es darum ging, das Kind zu verlegen, sind sie eine rauchen gegangen." Das Baby wurde daraufhin für eine Not-Operation ins AKH gebracht, es wurde Anzeige erstattet.
Ein psychiatrisches Gutachten empfahl, den Angeklagten wegen einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung in einem forensischen Zentrum unterzubringen. Am Nachmittag zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück.
Kurz nach 19:30 Uhr wurde schließlich das Urteil bekanntgegeben. Der 33-Jährige wurde des versuchten Mordes schuldig gesprochen und muss 20 Jahre in Haft. Zudem wurde eine Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum angeordnet. Die Frau muss zehn Jahre hinter Gitter. Die beiden Urteile sind noch nicht rechtskräftig.