Ein ungleiches Paar musste am Montag gemeinsam in Wien vor Geschworenen sitzen – der Vorwurf gegen eine gelernte Krankenschwester (38) aus Bosnien und ihren mehrfach vorbestraften "Bad-Boy" (33, deutsch-italiener) mit Häf‘n-Vergangenheit: versuchter Mord am gemeinsamen Baby.
Die erst neun Wochen alte Mia (Name geändert) war am 28. Mai 2025 in die Klinik Ottakring gebracht worden – wegen Krampfanfällen und weil das Kind bereits mehrfach das Bewusstsein verloren hatte. Als Grund wurde von Ärzten im AKH ein schweres Schütteltrauma mit Hirnödem sowie Serienrippenbrüche diagnostiziert, nur eine Not-OP rettete dem Säugling das Leben.
"Ich hab gesehen, wie er das Kind geschüttelt hat", gab die von Kristina Venturini verteidigte Mutter – die ebenfalls verhaftet wurde – unter Tränen an. Die Kroatin wegen Beitragstäterschaft mitangeklagt. Nur aus Angst habe sie keinen Arzt gerufen, sie soll vom aufbrausenden Verdächtigen ebenfalls misshandelt worden sein.
"Es fing mit einer Ohrfeige und Erniedrigungen an, später folgten regelmäßige Prügelattacken und Tritte", sagte die Frau vor Gericht über ihren Freund, der "eine sehr kurze Zündschnur hat und schnell ausrastet". Die 38-Jährige hatte ihren Lover über eine Datingplattform kennengelernt, als der siebenfach Vorbestrafte noch in Hirtenberg (NÖ), später in Stein einsaß – zynischerweise wegen fortgesetzter Gewalt gegen eine Ex-Freundin…
"Ich besuchte ihn in Haft, er gab sich als absoluter Traummann, der zu Unrecht einsitzt", schluchzte die Frau. Nach seiner Entlassung zog der Deutsche trotz Aufenthaltsverbots in Österreich sofort zur neuen Freundin nach Wien. Dort wurde die kleine Mia Ende März dann laut Staatsanwältin "in Gewalt hineingeboren". Der von Michael Dohr verteidigte Hauptangeklagte sei laut Gutachter manipulativ, gewaltbereit und gefährlich. "Es gibt überhaupt keinen Beweis gegen meinen Mandanten, der aufgrund seiner Vorgeschichte als Schuldiger hingestellt wird", so der Verteidiger.
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133
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Der 33-Jährige, der sich nach seinem letzten Haftaufenthalt verändert haben will, erinnerte sich nur an einen Unfall: Einmal sei das kleine Mädchen unabsichtlich vom Wickeltisch gefallen. Die Verletzungen erklärt das laut medizinischem Sachverständigen nicht. Geschworene müssen im schwierigen Fall entscheiden – bei einer Verurteilung droht beiden Angeklagten lebenslange Haft. Das Urteil steht noch aus. Die Unschuldsvermutung gilt.
Montagnachmittag war klar: Es braucht einen weiteren Termin für diesen Prozess. Zwei Zeugen müssen noch befragt, zwei Gutachten noch besprochen werden. Am 10. März geht es weiter.