Mindestsicherung gestrichen

"Fühlen uns wie Gäste" – Syrer-Familie vor dem Nichts

Wien hat subsidiär Schutzberechtigten die Mindestsicherung gestrichen – eine Familie aus Syrien mit drei behinderten Mitgliedern steht vor dem Nichts.
16.02.2026, 14:52
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Mohamad M. (52) lebt seit Juli 2023 mit seiner Frau Fehima O. (44) und den Söhnen Emir (13) und Mostafa (12) in Wien. Die Familie gehört der kurdischen Minderheit in Syrien an und erhielt in Österreich subsidiären Schutz.

"Wir gehören der kurdischen Minderheit in Syrien an. Wir mussten fliehen, nachdem der IS in unser Dorf eingedrungen war. Unser Leben war in unmittelbarer Gefahr. Die Gruppe tötet Frauen, die keinen Hidschab tragen (und meine Frau trägt keinen), und sie hat es gezielt auf Kurden abgesehen. Eine Rückkehr ist für uns unmöglich. Die IS-Kämpfer töten jeden Kurden, dem sie begegnen", berichtet Mohamad M.

Drei Familienmitglieder behindert

Drei der vier Familienmitglieder sind behindert. Der Vater ist zu 40 Prozent beeinträchtigt und leidet laut eigenen Angaben an schwerer Psoriasis-Arthritis sowie degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule. Er ist auf eine Unterarmstütze angewiesen. "Ich werde aufgrund meines Alters und meiner Behinderung am Arbeitsmarkt abgelehnt."

Seine Frau ist zu 90 Prozent behindert und leidet an Retinitis Pigmentosa, einer nicht heilbaren Netzhauterkrankung. Auch Sohn Emir ist davon betroffen. Beim jüngsten Sohn Mostafa wurden Wachstumsstörungen und psychische Beeinträchtigungen diagnostiziert, er wird im St. Anna Kinderspital behandelt.

Bis Ende 2025 erhielt die Familie 1.949 Euro Mindestsicherung, 1.100 Euro Unterstützung von der Caritas sowie 888 Euro Pflegegeld für die Mutter. Insgesamt standen damit 3.937 Euro monatlich zur Verfügung. Seit 1. Jänner 2026 ist die Mindestsicherung für subsidiär Schutzberechtigte in Wien gestrichen. Die Familie bekommt nun nur noch Leistungen aus der Grundversorgung von maximal 1.200 Euro sowie das Pflegegeld.

Delogierung droht

Auch die Unterstützung der Caritas wurde eingestellt, "weil ich ein altes Auto gekauft habe. Dieses Auto ist kein Luxus – es ist absolut notwendig, um meine Frau und meine Kinder in Krankenhäuser zu bringen, da meine Frau keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen kann", erklärt Mohamad M.

Die Familie wohnt in einer privaten Wohnung in Favoriten und zahlt 1.024,40 Euro Miete im Monat. Zusätzlich bestehen Mietrückstände von rund 4.600 Euro. Nun droht die Delogierung. "Da der Vermieter Verständnis für uns hatte und von unseren Behinderungen wusste, hat er uns eine Frist bis zum 10. März zum Auszug gesetzt. Danach droht die polizeiliche Räumung", meint Mohamad M.

Dramatische Lage

Die finanzielle Lage sei dramatisch. "Wir sind derzeit völlig zahlungsunfähig und können unsere Schulden nicht begleichen. Wir haben kein Geld für Lebensmittel oder Medikamente. Heute ging mein Kind ohne Essen zur Schule und sagte mir schweren Herzens: 'Mach dir keine Sorgen, Papa, mein Freund gibt mir sein Taschengeld.' Wir wollen nicht betteln, wir wollen nur das Recht auf ein würdevolles Leben, das uns zusteht."

Im Video: Sebastian Kurz über die Mindestsicherung

Anlaufstellen hätten der Familie geraten, in eine Gemeinschaftsunterkunft zu ziehen. "Dort wurde uns geraten, in eine Gemeinsschaftsunterkunft zu ziehen. Das ist für eine Familie mit drei behinderten Personen unzumutbar. Es fehlt dort an der notwendigen Barrierefreiheit und Ruhe. Zudem haben meine Frau und Kinder dort bereits Diskriminierung und Mobbing erfahren, was ihre Situation weiter verschlechtert."

"Moralisch nicht vertretbar"

Auf Anfrage heißt es aus der zuständigen Stelle: "Die MA 40 ist mit der betroffenen Familie in Kontakt und klärt ab, inwieweit Unterstützungen möglich sind." Ob damit eine Delogierung verhindert werden kann, ist offen.

Für Mohamad M. steht fest: "All dieses Leid geschieht nur, weil wir lediglich subsidiären Schutz genießen. Unsere Familie verdient vollen Flüchtlingsstatus, da eine Rückkehr aufgrund der unmittelbaren Lebensgefahr und unserer Staatenlosigkeit unmöglich ist. Es ist weder rechtlich noch moralisch vertretbar, Menschen mit Behinderung, die vollständig arbeitsunfähig sind, soziale Unterstützung zu verweigern. Das ist kein bürokratisches Problem mehr, es ist ein Kampf ums Überleben."

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