Ein Streit bei einer Tankstelle in Wien-Simmering ist am Samstagnachmittag völlig außer Kontrolle geraten. Ein Tankstellenbetreiber wurde dabei durch mehrere Messerstiche verletzt und musste von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei konnte wenig später einen tatverdächtigen Mann festnehmen. Bizarr: Eine am Tatort gefundene Fingerkuppe spielte bei der Ausforschung des Verdächtigen offenbar eine entscheidende Rolle.
Der Vorfall ereignete sich am 21. Juni gegen 15.05 Uhr bei einer Tankstelle im 11. Wiener Gemeindebezirk. Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei war es zunächst zu einem Konflikt zwischen dem Betreiber und mehreren Personen gekommen. Diese sollen im Bereich der Tankstelle Pfandflaschen gesammelt haben. Laut Ermittlern hatten die Betroffenen bereits zuvor ein Hausverbot erhalten.
Was zunächst als verbale Auseinandersetzung begann, entwickelte sich laut Polizei zu einer gewaltsamen Eskalation. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen soll ein 22-jähriger syrischer Staatsangehöriger im Verlauf des Streits plötzlich ein Messer gezogen haben. Anschließend soll er viermal auf den Tankstellenbetreiber eingestochen haben. Für das Opfer begann ein dramatischer Kampf um medizinische Hilfe.
Rettungskräfte versorgten den verletzten Mann noch vor Ort und brachten ihn anschließend in den Schockraum eines Krankenhauses. Angaben zum aktuellen Gesundheitszustand des Betreibers lagen zunächst nicht vor. Nach dem Angriff ergriff der mutmaßliche Täter die Flucht. Sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen blieben zunächst ohne Erfolg. Die Polizei suchte nach dem Mann, konnte ihn aber vorerst nicht anhalten.
Am Tatort machten die Ermittler jedoch einen Fund – eine abgetrennte Fingerkuppe. Nach ersten Erkenntnissen dürfte diese vom mutmaßlichen Täter stammen. Dieser Umstand sollte sich im weiteren Verlauf der Ermittlungen als wichtiger Hinweis herausstellen. Im Zuge der weiteren Erhebungen erhielten die Beamten schließlich Informationen über einen Mann, der sich in einem Krankenhaus wegen einer abgetrennten Fingerkuppe behandeln ließ.
Der Patient erklärte laut Polizei zunächst, er sei im 11. Bezirk Opfer eines Raubüberfalls geworden. Polizisten sowie Ermittler des Landeskriminalamts überprüften die Angaben und begaben sich in das Krankenhaus. Dort konnten sie den Mann schließlich als Tatverdächtigen im Zusammenhang mit der Messerattacke identifizieren. Der 22-Jährige wurde festgenommen. Die weiteren Ermittlungen übernahm das Landeskriminalamt Wien, Außenstelle Süd.
Sowohl das Opfer als auch der festgenommene Tatverdächtige sollen im Laufe des Tages einvernommen werden. Die Ermittler versuchen nun, den genauen Ablauf der Auseinandersetzung sowie die Hintergründe der Tat lückenlos zu klären. Fest steht: Ein Streit bei einer Tankstelle endete für den Betreiber mit schweren Verletzungen. Für den mutmaßlichen Angreifer führte ausgerechnet die Verletzung an seiner Hand zu den Ermittlern.