Die anhaltende Hitze bringt einen landwirtschaftlichen Betrieb in Gerasdorf bei Wien (Bezirk Korneuburg) an seine Grenzen. Beim Bauernladen Trimmel wird derzeit nicht nur ungewöhnlich viel gleichzeitig reif – inzwischen wird auch das Wasser knapp.
"Wir hatten jetzt vier Wochen mit 40 Grad Temperatur. Es ist ein Horror, die heiße Arbeit drückt keiner durch", schildert Landwirtin Christine Eliskases (40) im "Heute"-Gespräch. Mit ihrem Partner führt sie gemeinsam den Bauernladen Trimmel, sie arbeitet seit zehn Jahren am Hof von Andreas Trimmel mit. Die Landwirtschaft besteht seit drei, vier Generationen, erzählt sie.
Besonders dramatisch sei heuer der fehlende Niederschlag. "In vier Monaten hatten wir 20 Millimeter Regen. Das ist fast nichts, das reicht niemals für die Pflanzen auf unseren 100 Hektar."
Die Felder müssen deshalb laufend bewässert werden. Doch genau das wird immer schwieriger. "Bei uns werden jetzt die ersten Brunnen leer und ich weiß nicht, wie wir noch unsere Felder bewässern sollen. Es ist heiß, aber es ist kein Wasser zum Gießen da und die Pflanzen verbrennen."
Auch bei Obst und Wein hinterlässt die Hitze bereits Spuren. Äpfel und Weintrauben werden bereits von der Sonne verbrannt und müssen entsorgt werden. Gleichzeitig würden die Rohre der Wasserleitungen unter der Belastung aufsprengen, schildert Eliskases.
Auf Facebook schlägt der Bauernladen ebenfalls Alarm: "Die Landwirtschaft leidet. Wie soll das weitergehen? Entweder Unwetter oder Trockenheit."
Für zusätzliche Probleme sorgt die ungewöhnlich geballte Ernte. "Gerade wird alles gleichzeitig reif", sagt Eliskases. Darunter zählen Zwetschken, Zucchini, Gurken, Paradeiser, Melonen, Oliven, Nektarinen und Erdäpfel.
Selbst Kulturen, mit denen der Betrieb erst später gerechnet habe, seien bereits erntereif. "Auch Brokkoli oder Winterkraut wird jetzt reif, das sonst im September oder Oktober reif wird." Für den Bauernhof ist das ein logistisches Problem. "Wir wissen gar nicht, wohin mit allem. Unser Kühllager ist nicht für die aktuellen Mengen ausgerüstet."
Besonders düster sieht es bei den Karotten aus, die heuer über 20 Hektar angebaut sind. Eliskases: "Denen ist die Bewässerung schon ausgegangen, die Karotten kann man heuer vergessen."
Um der größten Hitze zumindest teilweise zu entkommen, startet der Arbeitstag bei der Landwirtin spätestens um 5 Uhr früh. Mit Erntearbeit in der Früh und am Abend will sie den schlimmsten Temperaturen in der prallen Sonne entkommen.
Im Folientunnel, wo Paradeiser, Paprika und Ingwer heranwachsen, würden laut Eliskases Temperaturen von bis zu 60 Grad herrschen. "Ich verliere langsam die Hoffnung."
Neben der Sorge um die Ernte wächst auch der wirtschaftliche Druck. Für Erdäpfel habe ein Zwischenhändler – er verkauft an Supermärkte weiter – zuletzt nur 20 Cent pro Kilogramm geboten, erzählt die Landwirtin. Dabei habe man die Erdäpfel wegen der Trockenheit heuer bereits zehnmal bewässern müssen. Das geht ins Geld.
"Wir haben immense Wasserkosten, dabei verlieren wir so viel Ernte, weil es so heiß ist und die Brunnen versiegen", sagt Eliskases zu "Heute". Gleichzeitig seien die Preise, die der Betrieb über den Großhandel erhalte, so niedrig, dass sich die Kosten kaum noch decken ließen.
Eine Ausnahme ist der eigene Bauernladen in Gerasdorf. Rund eineinhalb Hektar Gemüse baut die Familie direkt dafür an. "Im Direktverkauf bekommen wir zum Glück noch faire Preise."
Während am Hof derzeit fast alles gleichzeitig erntereif wird, bleibt eine Frage offen: Was bleibt übrig, wenn im Herbst eigentlich die nächste Ernte verkauft werden sollte?