Die deutsche Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) schlägt Alarm: Immer mehr Beschäftigte bei der Bahn denken wegen der steigenden Gewalt an eine Kündigung. Das zeigt eine Umfrage unter den Mitgliedern, über die am Freitagabend das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet hat.
Fast jeder dritte Eisenbahner spielt demnach mit dem Gedanken, seinen Job hinzuschmeißen. Viele geben als Grund die wachsende Unsicherheit und Gewalt an. "Einen so massiven Personalverlust kann kein Unternehmen kompensieren", warnt der stellvertretende EVG-Chef Kristian Loroch. Die Deutsche Bahn verweist darauf, dass vor wenigen Wochen ein Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit beschlossen wurde.
Die EVG ist mit rund 185.000 Mitgliedern die größte Bahngewerkschaft in Deutschland. Laut RND haben 4.000 Beschäftigte an der Umfrage teilgenommen. Zwei Drittel fühlen sich bei der Arbeit immer unsicherer, die Hälfte hat schon körperliche Übergriffe erlebt. Die große Mehrheit der Kollegen mit Kundenkontakt klagt über Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen.
"Die Übergriffe auf DB-Mitarbeitende nehmen, genauso wie auf Angehörige von Polizeien, Feuerwehren und Rettungsdiensten, seit Jahren zu", bestätigt die Bahn. "Jede Form von Gewalt ist völlig inakzeptabel." EVG-Vize Loroch warnt, die ausufernde Gewalt bringe "das ganze System ins Wanken". Bahnunternehmen und Politik müssten endlich handeln. "Sonst könnten bald massenhaft Züge und Busse wegen Personalmangels stehenbleiben", sagt er dem RND.
Im Februar ist ein Zugbegleiter in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz von einem Fahrgast ohne gültigem Ticket brutal angegriffen worden. Der 36-Jährige ist später an seinen Verletzungen gestorben. Mitte Februar hat die Bahn deshalb einen "Sicherheitsgipfel" mit Gewerkschaftern sowie Vertretern aus Politik und Behörden abgehalten. Beschlossen wurde unter anderem die Einstellung von 200 zusätzlichen Kräften bei der DB Sicherheit, eine bessere Schutzausrüstung für die Mitarbeiter und eine engere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei.