Im Stich gelassen

"Sieben Monate im Krankenstand" – Firmenchef ist ratlos

Ein steirisches Unternehmen freut sich auf den neuen Kollegen. Doch der stürzt, laut dem Chef, die Elektro-Firma in große Turbulenzen.
Michael Pollak
17.01.2026, 06:55
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Großer Ärger in einem kleinen, privat geführten Betrieb. Markus M. (Name der Redaktion bekannt), Chef eines steirischen Elektrounternehmens, meldet sich bei "Heute": "Ein Kollege ist seit sieben Monaten im Krankenstand." Und dann: "Für uns ist das ein wirklich großes Problem."

Das Unternehmen setzte sehr viel Hoffnung in die Arbeitskraft des neuen Kollegen Paul. S. (Name geändert). Die solide mittelständische Firma mit etwa 15 Mitarbeitern sah eine große Chance, wollte durch den Eintritt des Mannes in den Bereich Klima- und Kältetechnik vordringen. Es ist ein stark wachsendes Segment, das sich mit Klimaanlagen und Wärmepumpen befasst.

Die Möglichkeit ergab sich im Jänner des Vorjahres. Paul S. – er ist Mitte 30 – bewarb sich beim Betrieb südlich von Graz, gab an die Gewerbeberechtigung zu haben und wurde deswegen angestellt.

Das Unternehmen investierte viel in die Etablierung eines neuen Geschäftszweigs, in das Firmenauto des Mitarbeiters, zahlte seinen Lohn und vieles mehr – insgesamt belaufen sich die Ausgaben auf deutlich mehr als 100.000 Euro.

"Er bekam weiterhin sein Gehalt"

Doch schon bald kommt die erste große Enttäuschung: Der Mann hatte seine Gewerbeberechtigung plötzlich doch noch nicht. "Wir waren kulant, sein Gehalt bekam er trotzdem", sagt sein Chef Markus M. zu "Heute". Zur Absicherung aus unternehmerischer Sicht hatte der neue Mitarbeiter vorab einen auf drei Jahre befristeten Arbeitsvertrag erhalten.

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Dann, im April, also kurz nach Beginn der Arbeit, begannen die weiteren Probleme: "Er hatte keine Lust mehr, forderte eine bessere 'Work-Life-Balance' ein. Ich habe mir seinen Dienstplan angeschaut, eigentlich hatte er schon viel Freizeit."

Paul S. wollte dennoch ganz aufhören mit seinem neuen Job. "Wir suchten das Gespräch mit ihm und baten ihn zu bleiben, bis wir Ersatz gefunden hatten", sagt Markus M.

„Wir bekamen Krankenstandsbestätigungen immer für einen Monat“

Am Montag darauf meldete er sich krank: "Kreuzschmerzen." Schon bald bekam der Firmenchef einen Anruf vom Anwalt des Mitarbeiters, psychische Probleme seien der wahre Grund für die Abwesenheit, hieß es. "Ab da bekamen wir Krankenstandbestätigungen immer für einen Monat."

Im Café erwischt

Zunächst stand auf den Dokumenten, Paul S. habe Ausgehzeiten von 8 bis 20 Uhr. "Eines Tages ist er mir schon um 6.45 Uhr entgegengekommen, er war in einem Café."

Schon bald folgte eine offizielle Korrektur der Ausgehzeiten – sie wurden in zwei Etappen erweitert, "am Ende durfte er im Krankenstand von 7 bis 23 Uhr außer Haus sein." Im Betrieb war man ratlos, wie sollte man mit dieser Situation umgehen?

Urlaub im Krankenstand war genehmigt

Betriebschef Markus M. fragte nach bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), er wollte wissen, ob dieser Fall, der ihn viel Geld und Nerven kostete, auch von denen kontrolliert werde. Die Antwort verblüffte: "Der Mann ist auf Urlaub, wir können nichts kontrollieren." Die Auszeit vom Krankenstand war genehmigt, Paul S. hatte darum angesucht.

Später hat das Unternehmen wieder bei der ÖGK nachgefragt. Diesmal, ob sie die Ausgehzeiten kontrollieren können, erneut überraschte die Antwort: "Die hatten ganz andere – kürzere – Ausgehzeiten in ihren Dokumenten stehen." Laut dem Unternehmen wurden dennoch keine Kontrollen von der ÖGK durchgeführt. "Lediglich die übermittelten Befunde von den behandelten Ärzten kontrolliert, diese werden Ihre Richtigkeit haben, wurde uns von der ÖGK mitgeteilt."

Markus M. erzählt weiter: "Wenn ich am Samstag lange arbeite, stehen manchmal vor seinem Haus viele Autos – dort ist Party!"

So reagiert ÖGK

Auch "Heute" kontaktierte in dieser Causa die ÖGK: "Dienstgeber*innen können bei begründetem Verdacht auf Missbrauch natürlich eine Prüfung durch die ÖGK anstoßen", bekommen wir schriftlich als Antwort. Und weiter: "Wir entscheiden nicht über arbeitsrechtliche Fragen oder finanzielle Verpflichtungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Aus Datenschutzgründen dürfen Arbeitgeber keine medizinischen Details zu Krankenständen erhalten. Die ÖGK kann lediglich bestätigen, dass ein Krankenstand vorliegt."

Im Oktober hat Paul S. wieder seinen Anwalt Kontakt aufnehmen lassen. Er beendet sein Dienstverhältnis wegen der Krankheit. "Wir sind dem völlig ausgeliefert", sagt der Firmenchef, "als Unternehmen hängt dir da das Damoklesschwert über dem Kopf."

Zum Abschluss sagt Markus M. noch: "Wir haben wirklich kein Problem, wenn jemand krank ist, wir wollen aber diesen Extremfall aufzeigen."

Der Unternehmer fasst zusammen: "Die ersten acht Wochen Krankenstand haben wir sein volles Gehalt bezahlt, vier weitere Wochen einen Teil davon – den Rest übernimmt die ÖGK. Aber: Während der ganzen sieben Monate sammelte er weiter Urlaubsanspruch, den wir zahlen müssen."

{title && {title} } POM, {title && {title} } 17.01.2026, 06:55
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