Im Sonntagsanzug und in Begleitung ihrer Eltern saßen am Donnerstag acht jener 24 Angeklagten am Wiener Landl vor Gericht – es herrschte erhöhte Sicherheitslage, ein Film- und Fotografierverbot wurde verhängt.
Vier 17-Jährigen, drei 18-Jährigen und einem 19-Jährigen wurde vorgeworfen, sich – via Telegram rekrutiert, durch Propaganda aufgehetzt und schließlich zu allem bereit – am furchtbaren Massen-Angriff angeschlossen zu haben, der am 7. Juli in Wien-Meidling laut Staatsanwalt den Schlusspunkt im sogenannten Bandenkrieg setzte.
Mit Macheten, Messern und sogar einem Straßenschild bewaffnet, rotteten sich insgesamt 24 Burschen nur einen Tag nach einer vom selbst ernannten Oberhaupt der gewaltbereiten Tschetschenen-Community Abu Bakar D. (25) einberufenen "Konferenz" am Bahnhof Floridsdorf auf der Philadelphiabrücke zusammen. Gemeinsam und größtenteils vermummt gingen die jungen Tschetschenen Richtung Bahnhof Meidling, wo sie sofort hemmungslos und gezielt auf sieben ahnungslose Afghanen losgingen.
Fünf der Opfer – die laut Staatsanwalt absolut nichts mit der eigentlichen Auseinandersetzung zwischen den rivalisierenden Jugendgruppen zu tun hatten – wurden schwer verletzt, eines erlitt einen Schädelbruch, bei einem anderen verfehlte ein Messerstich das Herz nur knapp. Die Anklage lautete auf absichtlich schwere Körperverletzung und schwere gemeinschaftliche Gewalt – bis zu zehn Jahre Haft drohten.
"Ich habe keinen Hass gegen Syrer", behauptete einer der allesamt geständigen Angeklagten felsenfest. "Es waren Sommerferien, uns war langweilig", meinte ein anderer. Wieso er an jenem Abend ganz in Schwarz gekleidet war? "Weil das mein Stil ist", so der blau eingekleidete Bursche. "Nur heute nicht", fügte grinsend hinzu. "Psychisch bekenne ich mich schuldig", so ein anderer. Er habe die Gruppe zwar gedanklich und auch vor Ort unterstützt, jedoch selbst nicht zugeschlagen.
Auch mitgebrachte Waffen wollten die wenigsten gesehen haben. Das gefürchtete Banden-Oberhaupt – ein zu zehn Jahren verurteilter Bankräuber, der am Montag einvernommen wird – wurde nicht belastet. Akribisch ausgewertete Chats sprachen jedoch eine andere Sprache. Dort war davon die Rede, "diese Ratten endlich in ihre Löcher zu stopfen", und "alles" zu "vernichten". Das sei bloß Angeberei gewesen, hieß es lapidar.
"Die Jugendlichen waren extrem aufgeheizt in dieser Situation, wollten sich zur Wehr setzen, um die eigene Gruppierung und die eigenen Frauen zu schützen", meinte Anwalt Kreiner. Andreas Schweitzer meinte, sein Mandant hätte sich lieber einen Film zu Hause anschauen sollen, als den üblen Angriff zu beobachten. Der Schöffensenat ließ Milde walten: 6 Monate bedingte Haft für alle Angeklagten – nicht rechtskräftig. Die Burschen müssen somit keinen Tag in den Häf'n, wurden allerdings zu Schadenersatz und Bewährungshilfe verurteilt.