Seit Jahrzehnten sorgt Banksy mit seinen Graffitis auf der ganzen Welt für Aufsehen. Jetzt behauptet die Nachrichtenagentur Reuters, das große Geheimnis gelüftet zu haben: Hinter dem Künstler soll der 1973 in Bristol geborene Robin Gunningham stecken, der später auch unter dem Namen David Jones bekannt gewesen sein soll.
Offiziell bestätigt ist das aber nicht. Die Agentur von Banksy, Pest Control, ließ lediglich ausrichten, dass der Künstler "nichts zu sagen" habe. Die Reaktionen im Netz sind heftig.
Viele Fans sehen in der Enthüllung einen riesigen Fehler. Wie 20 Minuten berichtet, werfen sie den Medien vor, einen Mythos zerstört und den Zauber um Banksy zunichte gemacht zu haben. Vor allem auf Social Media wird deutlich, wie groß die Enttäuschung ist. Die Vorwürfe: Hier sei ein unnötiger Mythos zerstört worden – und das nur, um Schlagzeilen zu machen.
Die deutsche Influencerin Jana Heinisch geht in einem Video hart mit den Medien ins Gericht. "Eines der letzten tollen Geheimnisse dieser Welt mutwillig zerstört", sagt sie. Gerade die Anonymität habe Banksy so besonders gemacht. Sie sei Teil seiner Kunst gewesen. Für Heinisch ist die Enttarnung ein überflüssiger Akt, getrieben von Klicks.
Viele User geben ihr recht. In den Kommentaren liest man, man solle es respektieren, wenn jemand anonym bleiben will. Manche wünschen sich sogar, dass Reuters für mehrere Wochen "gecancelt" wird. Die Nachrichtenagentur habe gegen ein inoffizielles Schweigegelübde der Kunstszene verstoßen.
Reuters selbst rechtfertigt die Recherche damit, dass Banksy als einflussreiche Figur in Kunst, Gesellschaft und Politik von öffentlichem Interesse sei. Seine bewusst gepflegte Anonymität habe es ihm bisher ermöglicht, sich Transparenz zu entziehen. Laut 20 Minuten habe die Agentur aber auch die Privatsphäre-Argumente abgewogen.
Der Kunsthistoriker Ulrich Blanché glaubt das nicht. Schon 2008, als der Name Robert Del Naja im Umlauf war, sei der Kunstmarkt stabil geblieben. Entscheidend sei, dass Banksy nicht als Privatperson in Talkshows auftrete oder sich völlig entzaubere. Solange das nicht passiert, bleibe der Mythos erhalten.
Andere Stimmen aus der Kunstszene meinen sogar, dass die neue Diskussion um seine Identität den Wert seiner Werke noch steigern könnte. Gerade weil es noch keine endgültige Bestätigung gibt, bleibt das Rätsel bestehen – und damit auch die Faszination.
Blanché warnt allerdings, dass jetzt weniger seriöse Medien Jagd auf Gunningham machen könnten. "Paparazzi-mäßig das Leben zur Hölle machen", befürchtet er.
Auch Banksys langjähriger Anwalt Mark Stephens findet klare Worte. Anonym oder unter Pseudonym zu arbeiten, diene "vitalen gesellschaftlichen Interessen". Es schütze die Meinungsfreiheit, besonders wenn Künstler sich zu Politik oder Gerechtigkeit äußern. Eine Enttarnung könne Banksy gefährden, seine Kunst beeinträchtigen und sogar der Öffentlichkeit schaden.