Eine Linde, eine mit Stretchfolie umwickelte E-Ladesäule und gleich zwei Verhandlungen beschäftigten das Bezirksgericht Feldbach. Ein Südoststeirer musste sich wegen Sachbeschädigung in zwei Fällen verantworten. Am Ende verließ er den Gerichtssaal als freier Mann – das berichtet aktuell die "Kleine Zeitung".
Auslöser für einen der beiden Fälle war eine Linde, die bei der Zufahrt des Mannes ungünstig stand. Nach seiner Auffassung sollte der Baum von der Gemeinde ohnehin entfernt werden. Auf die entsprechende Erlaubnis wollte er allerdings nicht länger warten und schnitt die Linde selbst um, heißt es in dem Bericht.
Ein Schreiben der Amtsleiterin, wonach die Linde demnächst gefällt werde, will der Mann nicht gelesen haben. Bereits in der ersten Verhandlung hatte er sich laut "Kleine Zeitung" damit gerechtfertigt, der Gemeinde lediglich Arbeit abgenommen zu haben. Der Bürgermeister erklärte hingegen sinngemäß, entscheidend sei seine Aussage und das Schreiben habe keine Bedeutung.
Bei der zweiten Verhandlung schilderte ein Gemeindemitarbeiter eine Begehung. Dabei sei es um die Frage gegangen, ob die Wurzeln einen Wasserabflussschacht beeinträchtigen.
"Wenn Wurzeln hineingewachsen sind, kommt der Baum weg, ansonsten bleibt er stehen, hieß es", wird der Zeuge in der "Kleinen Zeitung" zitiert. Richterin Elisabeth Schwarz wollte wissen: "Dass der Baum ohnehin gefällt wird, war nicht Thema?"
Der Gemeindemitarbeiter erklärte, lediglich den Auftrag für ein Foto der Situation erhalten zu haben. Einen Auftrag zum Fällen habe er nicht gehabt.
Der Angeklagte reagierte laut "Kleine Zeitung" deutlich: "Eine glatte Lüge und Erfindung. Wurzeln waren nie das Thema."
Nach seiner Darstellung stand die Linde ungünstig. Er habe zunächst vorgeschlagen, Äste zu entfernen. Der Bürgermeister habe erklärt, den Gemeinderat damit befassen zu müssen, die gesamte Linde solle aber weg. Dieses Vorgehen dauerte dem Mann schließlich zu lange.
Der zweite Vorwurf betraf eine E-Ladesäule. Diese hatte der Mann mit Stretchfolie umwickelt. Kurios dabei: Die Säule steht auf seinem eigenen Grundstück. Beschädigt habe er sie nicht, beteuerte der Angeklagte. Im Verfahren wurde zudem erklärt, dass sich die Folie einfach mit einem Stanley-Messer hätte durchtrennen lassen.
Der Verteidiger sah keinen Grund für eine Verurteilung: "Mein Mandant hat die angeklagte Tat nicht begangen. Es wurde durch die E-Mail der Amtsleitung klar kommuniziert, dass der Baum gefällt wird", wird der Anwalt in der "Kleinen Zeitung" zitiert.
Damit fehle es aus seiner Sicht an der subjektiven Tatseite. Schließlich beantragte er: "Mein Mandant ist freizusprechen." Richterin Schwarz sprach den Mann frei.
Bei der Ladesäule sah sie laut "Kleine Zeitung" keine nennenswerte Unbrauchbarmachung und keinen großen Aufwand beim Entfernen der Folie. Nach dem Verlassen des Gerichtssaals jubelte der Steirer: "Ich bin ein freier Mann"