Favorit Jannik Sinner ist bei den French Open überraschend ausgeschieden, scheiterte beim 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6 gegen den Argentinier Juan Manuel Cerundolo an der gnadenlosen Hitze – und an seinem eigenen Körper. Oder doch nicht? Tennis-Legende Boris Becker glaubt nicht, dass die Verfassung des Superstars für den Kollaps der Nummer eins verantwortlich war – sondern mentale Probleme.
"Für mich kann das nicht körperlich sein, es muss mental sein", sagte die deutsche Tennis-Ikone nach dem Sensations-Aus des Italieners, wie die "Daily Mail" schreibt. Becker zweifelt damit offen an Sinners eigener Erklärung. Der Weltranglisten-Erste hatte nach seiner Fünf-Satz-Niederlage erklärt, dass er sich krank gefühlt habe und deshalb eingebrochen sei. Becker sieht die Ursache jedoch woanders.
"Wir wissen nicht, was in ihm vorgeht. Wie viel Druck macht er sich selbst? Er hat gesagt, dass er schlecht geschlafen hat. Wenn man zu viel nachdenkt und nervös ist, schläft man schlecht", meinte der sechsfache Grand-Slam-Sieger.
Dabei hatte alles nach einem Pflichtsieg des Favoriten ausgesehen. Sinner führte bereits mit 2:0 Sätzen und servierte im dritten Durchgang auf den Matchgewinn. Nur vier Punkte trennten ihn von der dritten Runde. Doch dann kam der totale Absturz. Der Italiener verlor 18 der folgenden 20 Games und musste sich nach mehr als vier Stunden überraschend geschlagen geben.
Der Deutsche sieht bei der Nummer eins der Welt ein wiederkehrendes Muster. Gerade wenn Partien besonders lang und intensiv werden, komme Sinner immer wieder in Schwierigkeiten. "Er spielt zwei Stunden lang problemlos und zeigt dann plötzlich Krämpfe. Das kann ich kaum glauben", sagte Becker. Sein Urteil fällt klar aus: "Meiner Meinung nach kam das alles aus seinem Kopf."
Trotz seiner Kritik lobte Becker den Italiener für dessen Reaktion nach dem Aus. Sinner habe keine Ausreden gesucht und die Verantwortung für die Niederlage selbst übernommen. Für Becker ist die Niederlage umso erstaunlicher, weil Sinner zuletzt praktisch unschlagbar wirkte. Der Italiener hatte die Masters-Turniere in Monte Carlo, Madrid und Rom gewonnen und war mit einer Siegesserie von 30 Matches nach Paris gereist.