Trotz Long-Covid am Start

"Bei 70 Grad am Dach": Olympia-Star arbeitet Vollzeit

Skeleton-Athlet Florian Auer lebt seinen Olympia-Traum zwischen Baustelle und Eiskanal. Warum der Tiroler trotz Rückschlägen nie aufgegeben hat.
Georg Steinschnack
10.02.2026, 07:55
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Während gewisse Athleten bei Olympischen Spielen Millionen verdienen oder gut von ihrem Sport leben können, sieht der Alltag für manche ganz anders aus. Florian Auer gehört auch im österreichischen Team zu den Ausnahmen. Er ist Spitzensportler im Skeleton – und zugleich Arbeiter im Familienbetrieb.

Denn während im Sommer der Grundstein für die Saison gelegt wird, arbeitet Auer Vollzeit als Dachspengler. Nicht nur aus Leidenschaft für zwei Berufe, sondern auch aus finanzieller Notwendigkeit. Allein in dieser Saison habe er zwischen 10.000 und 15.000 Euro in Material investiert, erzählt er. Den Spagat zwischen Baustelle und Hochleistungssport unter einen Hut zu bringen, sei eine permanente Herausforderung. "Es braucht brutalen Ehrgeiz und Herz für die Sache, weil es einfach sehr fordernd ist", sagt Auer. "Man muss sich das vorstellen: Ich stehe acht Stunden bei 70 Grad auf einem Metalldach. Danach geht es noch zwei Stunden in die Kraftkammer oder zum Sprinttraining." Sechs Tage die Woche lebt er diesen Rhythmus – zwischen körperlicher Schwerarbeit und olympischem Anspruch.

Covid-Erkrankung wirft ihn zurück

Und der Aufwand sollte sich dennoch auszahlen. Der 31-Jährige steht bei diesen Olympischen Spielen am Start. Zwar erreichte der Tiroler im Weltcup nur einen der geforderten Top-12-Plätze, das Österreichische Olympische Komitee gab dennoch grünes Licht. Da er die Spiele 2022 in Peking aufgrund einer schweren Corona-Erkrankung verpasst hatte, erhält die Teilnahme für Auer eine zusätzliche Bedeutung.

Die Folgen spürt er bis heute. "Ich weiß, wie ich davor gewesen bin, und seit damals ist es anders. Ich tue mir schwerer, einen Rhythmus in meinen Körper zu bekommen. Er schwankt extrem, und ich muss sehr genau aufpassen, dass ich mich nicht müde mache mit Dingen, die früher kein Problem waren und heute nicht mehr möglich sind." Woran das genau liegt, sei bis heute nicht eindeutig geklärt.

Familienbetrieb Auer

Rückhalt erhält Auer aus der eigenen Familie. Sein Vater Christian Auer ist nicht nur Chef im heimischen Betrieb, sondern auch eine prägende Figur im Skeletonsport. 1991 wurde er Weltmeister, später war er viele Jahre als Sportdirektor tätig. Skeleton ist bei den Auers also mehr als nur eine Disziplin. "Die Geschichte meines Vaters und meines Großvaters weiterzuführen und hier dabei zu sein, macht mich unglaublich stolz." 2002 war er gemeinsam mit seinem Vater bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City vor Ort. "Das war ein toller Moment. Dass ich nun selbst hier stehe und an einem olympischen Rennen teilnehmen kann, kann ich kaum in Worte fassen."

Eine konkrete Zielsetzung verfolgt der 31-Jährige nicht. Vielmehr will er den Moment annehmen und das Rennen genießen. Wie erfolgreich er am Ende sein wird, rückt dabei beinahe in den Hintergrund. Seine Geschichte erzählt weniger von Medaillen als von Beharrlichkeit – und davon, dass sich Wege zum olympischen Start nicht immer geradlinig, aber dennoch konsequent gehen lassen.

{title && {title} } gst, {title && {title} } Akt. 10.02.2026, 09:31, 10.02.2026, 07:55
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