Für Caroline W. geht es in zwei Wochen wieder los. Die 24-Jährige unterrichtet dann eine vierte Volksschulklasse mit 25 Kindern, "keiner von ihnen hat Deutsch als Muttersprache, obwohl die Hälfte in Wien geboren ist", erzählt sie im Gespräch mit "Heute". Etwa zwei Drittel ihrer Schüler sprechen Arabisch, "auch sehr oft während des Unterrichts."
Ein Thema hat bereits vor den Sommerferien dominiert: Das neue Kopftuchverbot für Kinder bis 14.
"Ich habe zwei Mädchen, die mit Kopftuch in der Klasse sitzen", sagt die Pädagogin, "die sind sehr gestresst deswegen, sie fühlen sich unsicher."
Vor allem bei manchen Eltern sorgt das Verbot für heftige Reaktionen. Ein Vater zur Lehrerin: "Er sagte, er wird mit seiner Familie nach Syrien ziehen, wenn das Kopftuchverbot streng in der Schule umgesetzt wird."
"Ich habe ihm damals erklärt, dass die Politiker das Gesetz einführen, die Schule hat damit nichts zu tun – er war wirklich wütend."
Caroline sorgt sich schon, das Verbot wird wohl neue Probleme verursachen: "Die Mädchen sind verängstigt, ihnen wird etwas genommen, zu dem sie ihre Eltern bis jetzt gezwungen haben."
Das Kopftuch war bisher ein großes Thema in der Klasse und in der Schule. Vor allem unter den Buben beobachtet die Lehrerin problematisches Verhalten: "Die bewundern die größeren Mädchen aus der Mittelschule, schreien ihnen nach, wie cool sie ihre Kopftücher finden."
Gleichzeitig würden andere Schülerinnen unter Druck gesetzt. "Mädchen ohne Kopftuch werden von den Buben schikaniert und gehänselt."
Den Mädchen werde wiederholt gesagt, dass sie ihre Haare verhüllen sollen. In ihrem eigenen Klassenzimmer zieht Caroline eine klare Grenze: "Aber bei mir in der Klasse habe ich das auch bisher nicht zugelassen."
Für Caroline endet das Problem nicht am Schultor. "Außerhalb der Schule machen die Mädchen sowieso, was die Eltern verlangen – das wird sich so schnell nicht ändern."