Betretungsverbote verdoppelt - Gewalt in Familien steigt

Immer häufiger spricht die Polizei Betretungsverbote aus. 
Immer häufiger spricht die Polizei Betretungsverbote aus. Denise Auer (Symbolbild)
Seit Anbeginn der Covid19-Pandemie hat die Gewalt in Familien stark zugenommen. Ausgesprochene Betretungsverbote haben sich verdoppelt. 

Laut der Salzburger Sozialstadträtin Anja Hagenauer (SPÖ), seien Fälle von häuslicher Gewalt seit Beginn der Pandemie stark gestiegen. Am 25. November startet die weltweite Kampagne "16 Tage gegen Gewalt". Diese will die Stadt zum Anlass nehmen, über ihre Projekte gegen Gewalt zu informieren. 

Man sehe sich mit einer "dramatischen" Situation konfrontiert. Da es zu wenig Sozialarbeiter gäbe, müsste ernsthaft über die Errichtung eines klassischen Kinderheims nachgedacht werden, "obwohl das eigentlich Landessache ist". 

Gefährdungsabklärungen in Familien würden sich häufen, so die Stadträtin. Die Sozialarbeiter könnten ihre Fälle deutlich weniger intensiv betreuen und bearbeiten als nötig. Der öffentliche Druck für mehr Personal und eine bessere Bezahlung sei "zu wenig". 

Kinder stark betroffen

Als Hauptgrund für die Gewaltspirale in Familien sieht das Kinderschutzzentrum der Stadt Salzburg neben der Pandemie die anderen aktuellen Krisen. Kinder sind in 50 Prozent der Fälle mitbetroffen. Ebenso gestiegen ist die miterlebte Gewalt, um 20 Prozent. Das Kinderschutzzentrum in der Stadt Salzburg betreut etwa 300 minderjährige Missbrauchs- und Gewaltopfer sowie weitere 300 Bezugspersonen. Rund 900 Kinder im Bundesland Salzburg leben in einem Haushalt, in dem häusliche Gewalt ein Thema ist.

Dunkelziffer

Alleine in der Stadt Salzburg hat die Polizei in diesem Jahr schon 307 Betretungs- und Annäherungsverbote verordnet. Laut Alexandra Schmidt vom Team Vielfalt könnte es noch viel mehr solche Fälle geben: Nur 10 Prozent der Fälle von Gewalt und Vergewaltigung würden angezeigt.

Niemand sollte davor zurückschrecken, die Polizei zu rufen oder die Kinder- und Jugendhilfe oder die Seniorenberatung zu kontaktieren, appellierte Hagenauer an die Gesellschaft. "Besser einmal zu viel gemeldet als zu wenig."

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