Der Streit um die Frage, ob in dem naturnahen Erholungs- und Wohngebiet am Donau-Altarm in der Gemeinde St. Andrä-Wördern "langfristig alle Wege zu 6 m breiten Straßen ausgebaut werden", ging am Donnerstag-Abend in die nächste Runde.
Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung und einem Rechtsgutachten, das dieses Projekt als rechtswidrig qualifiziert, legte Bürgermeisterin Susanna Kittinger (ÖVP) in einer Informationsveranstaltung ihren Standpunkt dar. Die umstrittene Flächenwidmung werde offenbar allen Widerständen zum Trotz beschlossen. Der 200 Personen fassende Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. "Leider war die Stimmung sehr aufgeheizt, obwohl überhaupt nur 38 Prozent der Grundstücke betroffen wären", so Kittinger gegenüber dem "Kurier".
Die geplanten Widmungen seien langfristig gedacht. Man wolle die Flächen sichern, um Infrastrukturmaßnahmen wie Geh- und Radwege, Beleuchtung oder Straßen umsetzen zu können.Auf den betroffenen Pachtflächen seien weder nachträgliche Baubewilligungen noch Verkäufe vorgesehen, so die Gemeindechefin gegenüber dem "Kurier".
Im Kern geht es jetzt darum, ob in der örtlichen Raumplanung verankert werden soll, dass durch die seit den 1920er-Jahren historisch gewachsene Badesiedlung ein flächendeckendes Netz von breiten Straßen gelegt werden kann. Bewohner und Freunde der Siedlung wehren sich seit 25 Jahren dagegen. Sie fürchten die drohende Zerstörung ihres Ortsbildes, den Abbruch von Zäunen und Hecken und den Anstieg von Lärm, Staub und Abgasen, vor allem aber eine Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern, Kindern und Tieren durch mehr und schnelleren Autoverkehr.
Obwohl Gemeindevertreter in der Vergangenheit nach massiven Protesten zugesagt hatten, den Plan wieder fallen zu lassen, "holte ihn die aktuelle Koalition aus SPÖ und ÖVP kürzlich wieder aus der Schublade", so die Kritik.
Begründet wird dies mit dem Argument, die Gemeinde müsse nun endlich "Ordnung schaffen" und die Flächenwidmung an die Grundstücksgrenzen angleichen. Dies würde Rechtssicherheit schaffen. Außerdem sei in Wahrheit ohnedies keine zeitnahe Umsetzung der Straßenverbreiterung beabsichtigt.
Auf die aus dem Publikum mehrfach gestellte Frage "Wozu dann das Ganze?" gab es allerdings keine Antwort. Die Bürgermeisterin stellte klar: In der nächsten Gemeinderatssitzung, die mittlerweile für Dienstag, 21. April 2026, 19 Uhr, angesetzt wurde, werden ÖVP und SPÖ den umstrittenen Plan mehrheitlich beschließen.
Die knapp 400 Einwendungen gegen das Projekt, die aus der Bevölkerung und von Fachleuten bei der Gemeinde eingereicht wurden, werden verworfen. Auch eine Nachdenkpause oder eine Bürgerbeteiligung, etwa im Rahmen einer Mediation, lehnte die Bürgermeisterin ab. Die Initiative "Nein zur Straßenverbreiterung", die mit einer Online-Petition bis dato bereits fast 2.000 Unterstützungserklärungen gegen das Projekt gesammelt hat, kündigte daraufhin weitere Protestmaßnahmen an.