Ein Treffen im Keller eines Mehrparteienhauses in Linz-Kleinmünchen hat für eine 80-Jährige weitreichende Folgen. Nach einer Auseinandersetzung mit einem 56-jährigen Nachbarn wurde die Pensionistin laut "Kronen Zeitung" aus ihrer Wohnung weggewiesen. Was am 1. August tatsächlich passiert ist, schildern die beiden Beteiligten völlig unterschiedlich.
Für Ehrengard E. ist die Situation eine enorme Belastung. Seit 1969 lebt sie in ihrer Wohnung, dort zog sie auch ihre fünf Kinder groß. Nach dem Vorfall durfte sie mehrere Tage nicht zurück.
"Ich esse kaum, habe zwei Kilo abgenommen und bin mit den Nerven am Ende. Eigentlich will ich nur noch weg", erzählt sie der "Krone".
Nach Darstellung der 80-Jährigen wollte sie an diesem Tag einen Mistsack in ihren Trolley geben und ging dafür in den Keller. Dort traf sie auf ihren 56-jährigen irakischen Nachbarn.
"Ich bin an ihm vorbei und dürfte ihn berührt haben. Er hat mich dann beschimpft, mir mehrmals ins Gesicht gespuckt, mich gegen die Kellerwand gedrückt und die Hand gehoben. Ich habe mir gedacht, der haut mir eine, und habe mit dem Müllsack zugeschlagen", schildert die Linzerin gegenüber der Tageszeitung.
Der 56-Jährige stellt den Vorfall anders dar. Seiner Aussage zufolge habe die Pensionistin gespuckt und anschließend plötzlich zugeschlagen. Der Mann erlitt eine kleine Platzwunde an der Stirn und wurde im Krankenhaus behandelt.
Auch die 80-Jährige hatte nach dem Streit Schürfwunden am Arm und am Hals. Die alarmierte Polizei befragte beide Beteiligten. Für Ehrengard E. folgte daraufhin die Wegweisung aus ihrer Wohnung.
"Die Polizisten haben dann gesagt, ich muss sofort gehen und darf vorerst nicht in meine Wohnung. Ich bin dann zu meiner Schwester, hab’ nicht einmal was mitgenommen, ich war völlig aufgelöst", sagt sie zur "Krone".
Mehrere Tage lang durfte die Pensionistin nicht zurückkehren.
Mittlerweile wohnt die 80-Jährige wieder in ihrer Wohnung. Dem 56-Jährigen und dessen Familie darf sie sich aufgrund einer Entscheidung des Bezirksgerichts Linz allerdings nicht nähern.
Ihr Anwalt Manfred Arthofer will dagegen vorgehen. "Meine Mandantin wurde noch nicht einmal befragt. Wir müssen jetzt einen Widerspruch machen", erklärt er der Tageszeitung.
Besonders trifft die Linzerin der Vorwurf, sie sei ausländerfeindlich. Diesen weist sie entschieden zurück.
"Ich werde von dem Mann als ausländerfeindlich hingestellt, dabei war mein Vater selbst ein Flüchtling aus Ungarn. Ich lebe seit vielen Jahren hier mit Menschen aus verschiedenen Ländern. Mit niemandem hab ich Probleme. Das ist eine Lüge", stellt sie in der "Krone" klar.
Laut den vorliegenden Informationen gibt es derzeit noch keine Anzeige gegen die 80-Jährige. Ihr Anwalt will nun gegen die gerichtliche Entscheidung vorgehen.