Spektakulärer Polizeieinsatz am Wiener Hauptbahnhof: Schon am Donnerstag nahmen Beamte der Polizeiinspektion Am Hauptbahnhof eine 27-jährige Kroatin fest. Die Frau soll in einem Zug nach Bratislava versucht haben, reiche US-Touristen zu bestehlen, wir berichteten. Nun werden immer mehr Details dazu bekannt.
Das Pärchen aus Florida wollte mit der Bahn vom Hauptbahnhof nach Bratislava fahren. Die 52-jährige Touristin hatte dabei eine blitzblaue Birkin Bag von Hermes im Wert von 25.000 Euro im Gepäck.
Die teuren Taschen werden in Frankreich in aufwendiger Handarbeit aus hochwertigem Naturleder gefertigt – darunter Kalbs-, Straußen- oder sogar Krokodilleder. Jede Birkin Bag wird von nur einem einzigen Lederhandwerker hergestellt und gilt als echtes Unikat. Weil viele Modelle nur in kleiner Stückzahl produziert werden und die Wartelisten oft jahrelang sind, erreichen Birkin Bags Preise von mehreren zehntausend Euro. Seltene Sondermodelle werden bei Auktionen sogar um weit über 100.000 Euro verkauft.
In der Luxus-Handtasche der Amerikanerin befand sich wertvoller Schmuck. Darunter drei Halsketten im Wert von 10.000 Euro, 15.000 Euro und 3.500 Euro, ein Armband um 6.500 Euro und zwei Chanel-Geldbörsen um 3.500 bzw. 700 Euro samt Inhalt. In Summe war die Beute 64.000 Euro wert – das hätte sich ausgezahlt, doch aus dem Coup im Zug wurde nichts.
Eine Zeugin hatte beobachtet, wie die Verdächtige die Luxus-Bag aus der Tragetasche der 52-jährigen US-Touristin zog. Die Frau war gerade damit beschäftigt, ihr übriges Gepäck im Zugabteil zu verstauen. Als die Verdächtige flüchten wollte, griff der Ehemann des Opfers ein. Er schaffte es, die mutmaßliche Luxus-Diebin bis zum Eintreffen der Polizisten festzuhalten.
Bei der Durchsuchung der 27-Jährigen machten die Beamten noch einen weiteren Fund: Die Kroatin hatte einen gestohlenen Reisepass bei sich. Dieser dürfte einem weiteren amerikanischen Touristen gehören, der sich ebenfalls im Zug befand. Der Reisepass wurde dem 55-Jährigen zurückgegeben – er konnte sein Glück kaum fassen.
Die Kroatin bestritt bei ihrer ersten Einvernahme sämtliche Vorwürfe. Trotzdem wurde sie wegen des Verdachts des versuchten schweren Diebstahls und anderer Delikte angezeigt. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien wurde die Frau in eine schmucklose Justizanstalt gebracht. Die Touristen fuhren weiter nach Bratislava – kamen aber durch den diebischen Vorfall erst mit einiger Verspätung an.