Der Eurovision Song Contest 2026 sorgt nicht nur musikalisch für Aufmerksamkeit – auch die Sicherheitslage beschäftigt die Behörden intensiv. Obwohl es derzeit "keine konkreten Hinweise auf drohende Gewaltakte" gebe, wird das Risiko rund um das Großevent von der Polizei als "generell hoch" eingestuft.
Bei einem Medientermin der Wiener Landespolizeidirektion erklärte DSN-Direktorin Sylvia Mayer, dass die aktuelle Gefährdungslage laufend neu bewertet werde. Die Sicherheitsbehörden würden die Situation permanent beobachten und Maßnahmen entsprechend anpassen.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) betonte, Polizei und Sicherheitskräfte seien auf mögliche Zwischenfälle vorbereitet. Für die ESC-Woche wurden zusätzliche Beamte aus nahezu allen Bundesländern nach Wien entsandt. Unterstützung erhält das Einsatzkommando Cobra außerdem von Spezialkräften aus Bayern.
Auch international laufen die Sicherheitsfäden zusammen. Laut Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) steht die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst in engem Kontakt mit ausländischen Behörden und Nachrichtendiensten. "Der Austausch funktioniert gut."
Wie Mayer ausführte, wird die islamistische sowie extremistische Szene bereits seit Monaten intensiv überwacht. Neben islamistischen Gefährdern sehen die Behörden auch Risiken durch linksextreme Gruppierungen. Dabei verwies die DSN-Chefin auf einen zuletzt verstärkt wahrnehmbaren Antisemitismus in diesen Bereichen. Zudem seien die Sicherheitsbehörden auf mögliche Cyber-Angriffe vorbereitet.
Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit angekündigten Protestaktionen gegen den ESC und insbesondere gegen die Teilnahme Israels. Offiziell registriert seien aktuell nur wenige Gegenveranstaltungen. Für die Halbfinalshows und das Finalwochenende rechnen die Behörden jedoch mit deutlich größeren Demonstrationen.
Innerhalb der Szene beobachte man zunehmende "Polarisierungsfaktoren", erklärte Mayer. Zwar gebe es momentan keine konkreten Hinweise auf geplante Gewalttaten, dennoch könnten "Zusammenstöße" rivalisierender Gruppen nicht ausgeschlossen werden.
Der Wiener Polizeivizepräsident Dieter Csefan bestätigte die angespannte Sicherheitslage. Der eigens eingerichtete Einsatzstab "Delta" umfasst zwölf verschiedene Einheiten und wird an den Halbfinal- sowie Finaltagen zusätzlich verstärkt. In die Sicherheitskoordination eingebunden sind neben Polizei und Rettung auch Bundesheer und Stadt Wien.
Einen ersten Großeinsatz gab es bereits am Sonntag beim Auftakt am Rathausplatz. Laut Polizei verlief die Veranstaltung ohne Zwischenfälle. Rund 6.500 Besucherinnen und Besucher strömten ab 17 Uhr ins Eurovision Village.