Die Stadt Wien stellt auch in diesem Jahr Fördermittel für Demokratie- und Beteiligungsprojekte bereit. Insgesamt 270.000 Euro stehen zur Verfügung, einzelne Projekte können mit bis zu 10.000 Euro unterstützt werden. Einreichungen sind noch bis zum 30. April möglich.
Über die Vergabe entscheidet eine Fachjury, wie der "ORF" berichtet. Bereits im Vorjahr war das Interesse groß: Mehr als 270 Projekte wurden eingereicht, 34 davon konnten umgesetzt werden. Gefragt sind vor allem niederschwellige und praxisnahe Ansätze. Beispiele dafür sind etwa ein Beserlparktheater, ein Mitmach-Supermarkt oder ein Bürgerinnenrat zu den Themen Medien und Demokratie. "Wir sehen tagtäglich, wie wichtig es ist, Menschen zusammenzubringen und zum Dialog einzuladen", so Wencke Hertzsch, Referatsleitung des Büros für Mitwirkung.
Von November 2024 bis November 2025 war Wien Europäische Demokratiehauptstadt. In diesem Zeitraum konnten Interessierte an rund 600 Programmpunkten teilnehmen. Das Angebot reichte von Diskussionen und Workshops bis hin zu kreativen Formaten. So gab es etwa Veranstaltungen zur Analyse von Rap-Texten oder zur queeren Stadtplanung. Auch Argumentationstrainings sowie Informationsangebote zu Fake News standen am Programm.
Bereits im Juni 2024 wurde das Büro für Mitwirkung eingerichtet, das sich mit Fragen der demokratischen Entwicklung beschäftigt. Ein zentrales Ergebnis folgte im Oktober 2025: Der Gemeinderat beschloss die Wiener Demokratiestrategie. Ziel ist es, neue Zielgruppen einzubinden, das Zusammenleben zu stärken und die politische Meinungsbildung zu fördern.
Beteiligung heißt jedoch nicht gleich politische Mitbestimmung, das zeigt das Thema Wahlrecht. Dieses ist an die Staatsbürgerschaft gebunden. Laut Stadt Wien besitzen 36 Prozent der Wiener Bevölkerung im wahlfähigen Alter keine Staatsbürgerschaft und sind damit von Wahlen ausgeschlossen. Das entspricht rund 611.000 Menschen.
Der Anteil jener ohne Wahlrecht hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Die Stadt sieht darin sowohl für die Integration als auch für die Legitimität politischer Vertretungen eine Herausforderung.