"Den kriegen wir niemals", sagt eine Grazer Polizistin zu ihrer Kollegin. Die beiden Beamtinnen verfolgen gerade einen E-Scooter-Fahrer, der mit enormem Tempo durch die Stadt rast. Doch der Mann ist auf seinem Gefährt so schnell unterwegs, dass er ihnen entkommt.
Ein Kamerateam von ServusTV hält die spektakulären Szenen fest. Die Aufnahmen zeigen auch, wie fassungslos die beiden Polizistinnen auf das Verhalten des Lenkers reagieren.
Der Vorfall beginnt in der Grazer Idlhofgasse. Dort beobachten die Beamtinnen, wie ein E-Scooter-Fahrer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit über eine Kreuzung fährt.
Kurz darauf folgt ihm ein Lenker auf einem E-Moped, ebenfalls mit hohem Tempo. Die Polizistinnen reagieren sofort. "Bist du deppert, der rast", sagt eine der beiden beim Anblick des E-Scooters. Wenig später folgt der nächste Kommentar: "Der is’ ja irre".
Die Beamtinnen nehmen die Verfolgung auf. Doch der E-Scooter-Fahrer ist zu schnell und verschwindet.
Wie schnell der Flüchtende tatsächlich unterwegs war, konnte nicht festgestellt werden. Auf den Aufnahmen wirkt es allerdings so, als würde er deutlich schneller fahren als die für E-Scooter erlaubten 25 km/h. Dem Eindruck nach könnte er sogar mindestens doppelt so schnell gewesen sein.
In Österreich dürfen E-Scooter eine maximale Leistung von 600 Watt haben und höchstens 25 km/h erreichen. Der junge Mann war außerdem ohne Helm unterwegs. Während er der Polizei entkommt, können die Beamtinnen zumindest den Fahrer des E-Mopeds anhalten.
Der angehaltene Lenker versichert den Polizistinnen, dass sein Fahrzeug nur 25 km/h erreichen könne. Er habe es auch nicht technisch verändert. Die Beamtinnen haben allerdings Zweifel an dieser Darstellung. Um den Mann einzuholen, mussten sie selbst mit mehr als 50 km/h fahren.
Der Lenker liefert schließlich eine Erklärung: Der flüchtige E-Scooter-Fahrer habe ihn angeschoben. Beweisen können die Polizistinnen eine technische Veränderung am E-Moped nicht. Auch dieser Mann war ohne Helm unterwegs.
Wie gefährlich Fahrten mit E-Scootern werden können, zeigen aktuelle Unfallzahlen. Laut Statistik Austria wurden 2025 in der Steiermark insgesamt 354 Unfälle mit E-Scootern registriert. Zwei Jahre zuvor waren es noch 216.
Auch der ÖAMTC warnt vor den Risiken. Nach seinen Daten trägt nur rund jeder zehnte E-Scooter-Fahrer einen Helm. ÖAMTC-Verkehrstechniker Christoph Schönlechner appelliert deshalb an die Lenker, sich besser zu schützen.
"Ein solcher kann einen Unfall zwar nicht verhindern, die Schwere der Verletzungen jedoch deutlich reduzieren und sollte daher selbstverständlich sein", erklärt der Experte gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Laut Schönlechner werden die Anforderungen beim Fahren mit E-Scootern häufig unterschätzt. Die kleinen Räder, die stehende Position und der dadurch höhere Körperschwerpunkt können das Fahrzeug instabil machen.
Dazu kommt, dass die Lenkung unmittelbar mit dem Gleichgewicht zusammenhängt. "E-Scooter wirken auf den ersten Blick einfach zu beherrschen, stellen aber hohe Anforderungen an Fahrgefühl und Reaktionsfähigkeit", warnt Schönlechner.
Schon eine Gehsteigkante oder eine Unebenheit auf der Straße kann zu einem schweren Sturz führen.
Der Vorfall in Graz ist nicht der erste seiner Art. Erst im April gelang es einem Burschen, mit einem E-Scooter und knapp 70 km/h vor der Polizei zu flüchten.
Im August des Vorjahres kam es zu einem weiteren gefährlichen Zwischenfall. Ein 16-Jähriger erfasste auf der Flucht vor der Polizei einen 53-jährigen Passanten und verletzte ihn leicht.
Anders als beim aktuellen Vorfall konnte die Polizei den Jugendlichen damals erwischen und anzeigen. In der Grazer Idlhofgasse blieb der E-Scooter-Fahrer hingegen verschwunden. Wie schnell er tatsächlich unterwegs war, ist weiterhin unklar.