Anfang Jänner ging in Berlin plötzlich nichts mehr: Mehrere Tage lang hatten ganze Stadtteile keinen Strom. Öffis standen still, Lichter blieben aus, der Alltag einer Millionenstadt geriet ins Chaos. Kann so etwas auch in Wien passieren?
Die kurze Antwort: Sehr unwahrscheinlich. Die längere: Wiens Stromnetz gilt als eines der sichersten Europas.
Auch in Wien kann es zu Stromausfällen kommen. Ein umgestürzter Baum nach einem Sturm, schwere Schneefälle oder ein Bagger, der bei Bauarbeiten eine Leitung erwischt – das alles kann lokal das Licht ausgehen lassen. Doch laut den Wiener Netzen sind solche Ausfälle meist innerhalb von rund 90 Minuten behoben. Von tagelanger Finsternis wie in Berlin keine Spur.
Der große Unterschied liegt im Aufbau des Stromnetzes. Wien setzt auf die sogenannte N-1-Regel. Klingt technisch, ist aber simpel: Fällt ein Teil des Netzes aus, springt automatisch ein anderer ein. So bleiben viele Haushalte und Betriebe weiterhin versorgt. Ein Dominoeffekt, der ganze Stadtteile lahmlegt, soll dadurch verhindert werden.
Und was, wenn doch alles schiefgeht? Auch dafür gibt es einen Plan. In Simmering steht ein schwarzstartfähiges Kraftwerk. Das kann sogar ohne externe Stromzufuhr hochgefahren werden. Im Ernstfall ließe sich damit Wiens Stromversorgung Schritt für Schritt wieder aufbauen.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, investieren die Wiener Netze laufend in die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur – und in gut ausgebildetes Personal. Bis 2040 sind 13 neue Umspannwerke geplant. Besonders die neuen Standorte in Trumau und Deutsch Wagram sollen mit zusätzlichen Hochspannungs-Anbindungen für noch mehr Sicherheit sorgen.