Zum Jahresstart zeigt sich Elisabeth Zehetner, als ÖVP-Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium unter anderem zuständig für Tourismus und Energie, zuversichtlich für einen Turnaround Richtung Aufschwung 2026. Im "Heute"-Interview (ganzer Talk im Video unten) spricht sie über Rekordnächtigungen, Fachkräftemangel, Strompreise und nimmt Stellung zu möglicher Blackout-Gefahr in Österreich.
Der Tourismus war das erste große Thema im Ministerrat 2026 – und das nicht ohne Grund. "Der Tourismus kann auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2025 zurückblicken", sagt Zehetner. Von Jänner bis November gab es "ein Plus von 1,2 Prozent und fast 144 Millionen Nächtigungen, davon drei Viertel aus dem Ausland".
„Wir haben im Tourismus kein Nachfrageproblem wie in anderen Branchen. Sondern hier kämpfen wir damit, dass wir die große Nachfrage teils nicht befriedigen können.“Elisabeth ZehetnerTourismus-Staatssekretärin (ÖVP)
Für die Staatssekretärin ist klar: „Wir haben im Tourismus kein Nachfrageproblem wie in anderen Branchen. Sondern hier kämpfen wir damit, dass wir die große Nachfrage teils nicht befriedigen können, weil wir nicht genug Hotels haben, nicht genug Fachkräfte, nicht genug Menschen, die bereit sind, die Betriebe, die zur Übergabe anstehen, zu übernehmen." Deshalb habe man in diesem ersten Ministerrat am 7. Jänner ein Maßnahmenpaket zur Unterstützung des Tourismus auf den Weg gebracht.
Der Sektor ist ein Schwergewicht der heimischen Wirtschaft. Zehetner: "Der Tourismus macht ungefähr sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Mit der Freizeitwirtschaft gemeinsam reden wir schon über 14 Prozent. Jeder siebte Job hängt an dieser Branche."
Trotz voller Hotels bleibe die Lage angespannt. "Nicht der ganze Ertrag kann realisiert werden, weil wir massive Kostensteigerungen bei Energie, Löhnen und durch den Fachkräftemangel haben", sagt sie. Das habe direkte Folgen: "Weniger Ertrag im Tourismus heißt automatisch weniger Investitionsspielraum in den Regionen."
Entlastung soll unter anderem der Bürokratieabbau bringen: "Zum Beispiel müssen notwendige Überprüfungen bei Betriebsübergaben künftig erst fünf Jahre nach der Übergabe stattfinden, damit die Nachfolger im Betrieb von dieser ersten bürokratischen Bürde entlastet sind."
Außerdem soll Schluss sein mit der Zettelwirtschaft in Hotels: "Wir wollen weg vom händischen Gästeblatt hin zu einem digitalisierten System." Die Beherbergungsstatistik werde dementsprechend modernisiert: "Das wird im Laufe des Jahres passieren."
„Ohne Tourismus würde in manchen Orten das Licht ausgehen – das wollen wir verhindern.“Elisabeth ZehetnerTourismus-Staatssekretärin (ÖVP)
Ein zentrales Ziel der neuen Tourismusstrategie, die bis zum Sommer stehen soll, ist der Ausbau des Ganzjahrestourismus. "Wir wollen hochwertige Ganzjahresarbeitsplätze schaffen, sodass wir wegkommen von der reinen Saisonlogik und die Gäste das ganze Jahr über in Österreich begrüßen", sagt Zehetner. Chancen sieht sie etwa im Kongress- und Kulinariktourismus. Klar ist für sie: "Ohne Tourismus würde in manchen Orten das Licht ausgehen – das wollen wir verhindern."
Ein zentrales Thema bleiben die Stromkosten – hier steuert die Regierung massiv gegen, mit dem neuen Billigstromgesetz und weiteren Maßnahmen. "Die Senkung der Elektrizitätsabgabe und des erneuerbaren Förderbeitrags gilt bereits seit 1. Jänner", erklärt Zehetner. Das entlaste nicht nur Haushalte, sondern auch energieintensive Betriebe, etwa im Tourismus: "Von Heizung und Kühlung bis zum Wellnessbereich und der Küche wird hier viel Energie verbraucht."
Zusätzlich sollen dynamische Stromtarife Anreize schaffen, Strom dann zu nutzen, "wenn besonders viel im Netz ist". Ziel sei es, Angebot und Nachfrage besser zu steuern und die Preise langfristig zu senken. Klar ist für Zehetner: "Wir kommen nur dann mit dem Preis nachhaltig runter, wenn wir mehr erneuerbaren Strom in Österreich produzieren."
Nach den jüngsten Stromausfällen in Berlin ist das Thema Blackout wieder am Tisch. Wie hoch ist eine solche Gefahr in Österreich? Zehetner gibt Entwarnung: "Einen Blackout kann man nie völlig ausschließen, aber tagelange Stromausfälle wie zuletzt in Berlin halte ich in Österreich für sehr unwahrscheinlich."
Das heimische Netz sei gut abgesichert. "Die kritische Infrastruktur wird permanent getestet, und wir proben laufend verschiedene Szenarien." Für jede Leitung gebe es Redundanzen: "Wenn ein Steuerungszentrum ausfällt, gibt es ein zweites, das sofort übernehmen kann."
Im Ernstfall gehe es rasch. "Im Normalfall ist die Stromversorgung innerhalb von 24 Stunden wiederhergestellt." Österreich liege international an der Spitze: "Wir haben im Schnitt nur rund 20 Minuten Stromausfall pro Jahr."
Ein entscheidender Vorteil sei das dichte Netz an schwarzstartfähigen Kraftwerken. "Diese Kraftwerke können sich ohne externe Stromversorgung selbst hochfahren", sagt Zehetner. "Von diesen Zellen aus kann das gesamte System wieder aufgebaut werden. Das wird regelmäßig in Blackout-Szenarien geübt – unabhängig von der Ursache."