Zehntausende Haushalte ohne Strom, Betriebe stillgelegt, Menschen im Kalten. Seit dem 3. Jänner kämpft der Südwesten Berlins mit einem massiven Stromausfall. Ausgelöst durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal, zieht sich die Reparatur über Tage. Bis zum 5. Jänner waren noch rund 30.000 Haushalte betroffen, eine vollständige Wiederherstellung wird erst für den 8. Jänner erwartet.
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Schnee, Minusgrade und Dunkelheit machen den Alltag für die Betroffenen zur Belastungsprobe. Der Fall zeigt drastisch, wie schnell aus einem technischen Defekt eine ernste Krise werden kann.
Der internationale Blackout- und Krisenvorsorgeexperte Herbert Saurugg sieht im Berliner Blackout ein deutliches Warnsignal – auch für Österreich. Der Vorfall zeige, "wie abhängig wir von einer stabilen Stromversorgung sind – insbesondere im Winter", wenn nicht nur Licht, sondern auch Heizungen, Kommunikationssysteme, Aufzüge oder Kassensysteme ausfallen.
Viele Menschen würden sich laut Saurugg in einer Scheinsicherheit wiegen. Oft herrsche Überraschung darüber, dass Reparaturen nicht schneller möglich seien oder es nur eingeschränkte Informationen gebe. Dabei sei der Berliner Fall noch "Glück im Unglück". Es gebe Szenarien, in denen Stromausfälle deutlich länger dauern könnten, etwa wenn weitere kritische Komponenten betroffen seien. Ein Beispiel dafür sei der jüngste Ausfall beim Kraftwerk Kaprun, bei dem mit einer Wiederherstellung von ein bis zwei Jahren gerechnet werde – zum Glück ohne direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung.
Deutliche Worte findet Saurugg für politische Reaktionen auf Krisen. Appelle zum Kauf von Kerzen hält er für fahrlässig. Sie erhöhten die Brandgefahr – besonders dann, wenn Einsatzkräfte ohnehin stark belastet seien. Öffentliche Auftritte wirkten oft improvisiert, externe Unterstützung werde zu spät angefordert.
Auch in Berlin habe es vor dem Ausfall zahlreiche warnende Stimmen gegeben, doch diese seien ignoriert worden. Für Saurugg stellt sich daher eine grundsätzliche Frage: Wie lange will man noch zuschauen, bevor Vorsorge ernst genommen wird?
Der Experte betont, dass es nicht um Panikmache gehe, sondern um Vorbereitung. Er empfiehlt eine individuelle Vorsorge für zumindest 14 Tage. Dazu zählen Wasser, haltbare Lebensmittel, Medikamente, Taschenlampen, batteriebetriebene Radios und einfache Notfallpläne.
Auch Unternehmen seien gefordert, klare und einfache Abläufe für Notbetrieb oder ein sicheres Herunterfahren zu definieren. Informationen dazu gebe es ausreichend, etwa in Leitfäden der österreichischen Sozialpartner oder bei der Gesellschaft für Krisenvorsorge. Das Problem sei nicht der Mangel an Wissen, sondern die fehlende Umsetzung.