Monate nach dem folgenschweren Stromausfall in Berlin greift die Justiz jetzt durch: Seit Dienstagmorgen laufen bundesweite Razzien wegen eines mutmaßlichen Brandanschlags auf die Energieversorgung. Im Fokus stehen mehrere bereits identifizierte Verdächtige.
Die Durchsuchungen erfolgen im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft und richten sich gegen "namentlich bekannte Beschuldigte", wie ein Sprecher der Behörde der Nachrichtenagentur AFP sagte. Insgesamt wurden 18 Objekte durchsucht.
Ermittler hatten den Fall über Monate aufgearbeitet. Die "Ermittlungsgruppe Spannung" beim Landeskriminalamt verfolgte zahlreiche Spuren, identifizierte Tatverdächtige und rekonstruierte mögliche Zusammenhänge. Nun folgte der Zugriff.
Hintergrund ist ein Angriff vom 9. September 2025: Unbekannte hatten im Berliner Stadtteil Johannisthal zwei Hochspannungsmasten in Brand gesetzt. Die Folgen waren massiv – rund 50.000 Haushalte und Betriebe waren von einem großflächigen Stromausfall betroffen. Besonders hart traf es den Technologiepark Adlershof, wo alle 1.300 Unternehmen teilweise bis zum 11. September ohne Strom waren.
Kurz nach der Tat tauchte auf der linksextremistischen Plattform "indymedia" ein Bekennerschreiben auf. Anonyme Verfasser, die sich als "Einige Anarchist:innen" bezeichneten, reklamierten den Anschlag für sich. Als Ziel nannten sie unter anderem das Technologiezentrum.
Nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes richtete sich die Aktion gezielt gegen kritische Infrastruktur. Wie die "Bild" berichtet, heißt es in dem Schreiben: "Kritische Infrastruktur (KRITIS) anzugreifen bedeutet, eine der Hauptadern der Unterwerfung des Menschen über den Menschen und der Natur anzugreifen. (…) Die Elektrizität ist dabei die Hauptquelle der Energie, die jede Maschine und den 'Fortschritt' nährt, die notwendig sind, dieses aktuelle System zu reproduzieren. Es abzuschalten ist möglich und es ist auch möglich, es mit einem Leben in Freiheit ohne Herrschaft zu ersetzen!"
Zugleich riefen die Autoren andere zu ähnlichen Taten auf und bezeichneten den Angriff als "effektive Systemunterbrechung". Besonders im Visier standen laut Schreiben Unternehmen aus dem Rüstungsbereich oder Firmen mit Verbindungen zur Bundeswehr.
Auch Sicherheitsexperten sehen hinter der Szene gut organisierte Strukturen. Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei Berlin sagte zu "Bild": "Wir reden über eine heterogene Szene, die aber international vernetzt ist, gut organisiert und durchaus intelligent vorgeht. Dabei profitieren sie weiterhin von fehlenden rechtlichen Anpassungen wie der überfälligen Ausweitung der Quellen-Telekommunikationsüberwachung, IP-Mindestspeicherfristen oder Nutzung KI-basierter Technik."