Bei der Präsidentenwahl in Brasilien hat keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht. Flávio Bolsonaro, der 45-jährige Sohn des früheren Staatschefs Jair Bolsonaro, kam auf rund 47 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva erhielt etwa 45 Prozent.
Damit muss eine Stichwahl am 25. Oktober entscheiden, wer das größte Land Südamerikas künftig regiert. Rund 159 Millionen Brasilianer waren zur Wahl aufgerufen.
"Brasilien will Veränderung", sagte Bolsonaro nach der Wahl und wertete sein Abschneiden als Vertrauensbeweis, schreibt "n-tv". Lula räumte ein, er sei überzeugt gewesen, bereits im ersten Wahlgang zu gewinnen. "Das Spiel beginnt. Wir sind in der Verlängerung", so der 80-Jährige.
Politikwissenschaftler sehen den rechten Kandidaten als klaren Favoriten. Seit der Rückkehr zu direkten Präsidentschaftswahlen 1989 gewann bei allen sieben Stichwahlen der Kandidat, der im ersten Wahlgang vorn lag.
Auch andere Mitglieder der Bolsonaro-Familie feierten Erfolge: Die frühere First Lady Michelle Bolsonaro wurde in den Senat gewählt. Carlos Bolsonaro, ein weiterer Sohn des Ex-Präsidenten, gewann ebenfalls einen Senatssitz.
Insgesamt errang das rechte Lager um Bolsonaro die meisten Sitze im Senat und stellt dort künftig die größte Fraktion. Bei einem Wahlsieg hätte Flávio Bolsonaro damit eine ausgezeichnete Ausgangslage für seine Präsidentschaft.